Geistliches Wort

Zum Sonntag Septuagesimae

Andreas Salefsky
Pastor Andreas Salefsky

In den letzten Tagen bin ich – eher unversehens – an einem kurzen Text aus dem Alten Testament hängen geblieben. Ich las ihn einmal, fing noch einmal von vorne an und las ihn dann laut: „Der HERR sagt: »Der Weise soll sich nicht wegen seiner Weisheit rühmen, der Starke nicht wegen seiner Stärke und der Reiche nicht wegen seines Reichtums.«“ (Jeremia 9, 22; Gute Nachricht).  

Über meine Züge fliegt ein Lächeln des Ertapptseins.  Nicht dass ich besonders weise, besonders stark oder besonders reich wäre; - aber wenn mir etwas gelingt, wenn ich etwas gut gemacht habe, dann bin ich schon ein wenig stolz, klopfe mir selbst auf die Schulter. Jeremias Satz hält mir einen Spiegel vor, in den ich einen kritischen Blick auf mich selbst werfe.

Blaise Pascal, zu Beginn des 17. Jahrhunderts lebender Religionsphilosoph und Naturwissenschaftler, schrieb: „Willst du, dass andere Gutes von dir sagen, tu es nie selber!“

Darf ich nicht ein wenig stolz sein? Ich denke schon – aber ich sollte mich selbst nicht für das Maß der Dinge halten. Ich sollte ein offenes Ohr für das haben was andere mir und von mir sagen. Den selbstkritischen Blick in den Spiegel nicht vermeiden. Gerade als Christ.

Ich schlage noch einmal meine Bibel auf. Lese den angefangenen Text weiter: „Grund sich zu rühmen hat nur, wer mich erkennt und begreift, was ich will. Denn ich bin der HERR, der Liebe, Recht und Treue auf der Erde schafft! An Menschen, die sich danach richten, habe ich Freude.«“  (Jeremia 9, 23; Gute Nachricht)

Gott schafft Liebe, Recht und Treue auf der Erde. Er lädt uns ein daran mit zu tun. Liebe, Recht und Treue in unserer Welt zu wirken, zu gestalten.

Tun wir‘s. Zum Lobe Gottes und für diese eine Welt.

Andreas Salefsky
Pastor in den Kirchengemeinden Zasenbeck-Radenbeck und Knesebeck