Geistliches Wort

Fenster putzen

Dr. Heinrich Springhorn
Dr. Heinrich Springhorn

Endlich wird es wieder warm! Die Sonne scheint, wir alle sind gelassener und entspannter, der Sommer kann kommen! Damit das Licht in unsere Häuser gelangt, müssen wir die Fenster putzen: Staub, Pollen und Regen bilden einen Schleier, der den Blick trübt.

Auch unsere Seele hat ein Fenster. Durch es kommen Gefühle und Stimmungen in unser Inneres – und wieder nach draußen. Dazu habe ich vor Kurzem eine schöne Überlegung von Anna („Hallo, Mr. Gott…“) gefunden: „Wenn man in einem Haus wohnt, wo die Scheiben ganz schmutzig sind und guckt hinaus, dann meint man, die Welt draußen sei so schmutzig. Dabei ist sie es gar nicht. Und wenn man von draußen ins Haus hineinguckt, dann denkt man, es sei innen ganz schmutzig. Aber das stimmt auch nicht. Es sind immer nur die Fenster, die schmutzig sind.

Alle Menschen haben zwei Arten von Fenstern: die Augenfenster, davon haben alle zwei. Und das Herzfenster, davon hat jeder eins. Die Augenfenster sind dazu da, um rauszugucken und die Welt zu sehen. Das Herzfenster ist da, um nach innen zu gucken und die Seele zu sehen. Wenn man weint, dann ist das nicht nur wegen des Traurigseins. Es ist auch dafür, dass man mal die Augenfenster putzen muss. Wenn sie dann wegen der Tränen sauber geworden sind, kann man besser durchgucken. Und dann ist die Welt wieder viel heller als vorher.

Manchmal guck ich viel lieber durch das Herzfenster als durch das Augenfenster. Weil ich draußen bald alles kenne, was es zu sehen gibt. Aber wenn ich durchs Herzfenster nach innen reinguck, da seh ich immer Neues. Denn von innen kennt sich niemand so gut, wie er seinen Garten kennt oder die Leute von gegenüber.“

Durch das Herzfenster schaut auch Gott in meine Seele. Und sieht in mir viel mehr, als ich in mir selbst sehe. Er traut mir etwas zu, wo ich verzage. Er gibt Zuversicht, wo ich trauere.

Lasst uns auf unser Herz schauen! Gott lässt die warmen Strahlen des Lebens, der Überraschung und der Freude in unser Herz fallen! Lasst uns diese Freude und Wärme weitergeben, durch das Herzfenster unseres Nächsten! Lasst uns unsere äußeren und inneren Fenster putzen!

Ihr Dr. Heinrich Springhorn, Pastor in Hankensbüttel und Sprakensehl