Andacht zum Dienstag

05. Mai 2020

Am Sonntagnachmittag griff ich mal wieder zu meinem Strickzeug. Im vorletzten Sommerurlaub habe ich begonnen, einen wunderschönen Schal zu stricken. Die edle Wolle, Mohair und Seide, hatte ich als Sonderangebot erstanden. Ich hatte mir ein sehr hübsches, nicht allzu kompliziertes Lochmuster ausgesucht. Doch ich musste feststellen, wenn ich den Schal mehrere Wochen nicht zur Hand genommen hatte, war es ziemlich schwierig, wieder hineinzukommen.

Nach ein paar Reihen sah ich die Fehler. Doch da war es zu spät. Die Wolle lässt sich nicht ribbeln und kaum zurückstecken. Also: noch einmal genau hinsehen, den Musterverlauf betrachten und in den nächsten Reihen wieder hineinkommen – nach und nach.

Zuerst ärgerte ich mich. Aber dann dachte ich: Was soll´s. Wer wird schon genau auf diese Stelle gucken? Die schöne Wolle, die wunderbare Farbe lassen die Musterfehler kaum erkennen. Und wenn doch, dann ist es eben so: wie im echten Leben.

Lebensmuster sind auch nicht gleichmäßig. Wir stricken daran mit edlem Material: mit unserer Existenz, mit all unseren Eigenschaften, unseren Hoffnungen und Träumen. Manchmal geht etwas schief. Manchmal sieht es anders aus, als wir wollten. Wir können nichts ribbeln oder zurückstecken. Wir können uns nur langsam wieder hineinstricken. Wie gut, denke ich, dass einer alle Muster kennt: „Ich danke dir dafür, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin.“ Mit all meinen Musterfehlern.

Heike Burkert ist Pastorin für regiolokale Kirchenentwicklung im Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen

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