„Wir sehen täglich an den Juden, wie steif und verstockt sie sind. So giftig hässlich können sie über Christus reden. Sie nennen ihn schmählich ‚den Erhängten'“ (M. Luther, Auslegung des 109. Psalms).Martin Luther hat sich bereits vor der Reformation und Zeit seines Lebens mit dem Judentum auseinandergesetzt. Mit Kernzitaten aus seinen wichtigsten „Judenschriften“ sollen die theologischen Motive benannt werden, die Luthers negative Grundhaltung gegenüber dem Judentum prägen. Ist Luthers theologisch begründete Judenfeindschaft als „Geburtsfehler“ des Protestantismus einzuschätzen (Klaus Wengst)? War er mit seiner Unfähigkeit, andere Glaubensüberzeugungen zu respektieren und mit ihnen in einen Dialog zu treten, ein Kind seiner Zeit? War sein Mangel an „Toleranz“ die „dunkle Kehrseite seiner Selbstsicherheit“ (Heinz Schilling)? Ist Luther gar als Protagonist des modernen Antisemitismus einzuschätzen, auf den sich die judenfeindliche Rassenpolitik in Staat und Kirche während der NS-Diktatur berufen konnte? In meinem Referat zu Luthers Haltung zum Judentum suche ich nach Antworten und stütze ich mich auf neuere Forschungsergebnisse vor allem des Kirchengeschichtlers Thomas Kaufmann (Göttingen) und Heinz Schilling (em. Professor für Europäische Geschichte und der frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität Berlin). Hartmut Keitel