Interreligiöse Mahnwache in Wolfsburg

Hand in Hand für Frieden und Dialog

Mehr als 150 Menschen haben auf Einladung des Abrahamforums am Donnerstagmittag vor dem Wolfsburger Rathaus Mahnwache für die Opfer von Halle gehalten. „Wir stehen zu unseren Glaubensgeschwistern in Halle, in Wolfsburg, in Deutschland und überall auf der Welt“, begrüßte Christian Berndt alle Teilnehmenden. Wir stehen hier gemeinsam gegen jegliche Form von Antisemitismus und Gewalt gegen Jüdinnen und Juden, so der leitende Geistliche des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Wolfsburg-Wittingen.

„Wir sind eine Gesellschaft, wir sind unteilbar“,  sagte Yakov Yosef Harety, Rabbiner der Orthodoxen Jüdischen Gemeinde Wolfsburg, „niemand darf um sein Leben fürchten müssen wegen seiner Religion.“ Alle trügen die Verantwortung dafür, dass die Religionsfreiheit in Deutschland nicht gefährdet werde.

 „Wir sind alle von einem Ursprung, wir sind ein Kollektiv mit gleichen Werten“, erinnerte Souheil Thabti, Geschäftsführer des islamischen Kulturzentrums Wolfsburg.  Es sei immer ein Mensch, der uns gegenüberstehe, nicht ein Deutscher oder ein Ausländer. „Dieser Kompass in unseren Herzen muss immer wieder gereinigt werden.“

„Ich bin sehr dankbar für diese Initiative“, betonte Iris Bothe, Wolfsburger Stadträtin für Jugend, Bildung und Integration. Die Diskriminierung von Gläubigen schaffe ein toxisches gesellschaftliches Klima und fördere extremistische Tendenzen. Nicht nur die antisemitischen Angriffe hätten zugenommen, vieles ereigne sich im ganz alltäglichen. „Wir müssen dafür eintreten, dass wir eine tolerante Gesellschaft bleiben!“, forderte Bothe auf.

Wolfsburg wurzele in einer Zeit, die sich niemals wiederholen dürfe, rief Bürgermeister Ingolf Viereck in Erinnerung, die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger seien deshalb in besonderer Weise verpflichtet. „Es ist in unserer DNA verankert, dass wir so etwas nie wieder zulassen.“

Ev.-luth. Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen/F. Josuweit

Gemeinsam für den Frieden einsetzen!

Presseerklärung des Abraham Forum Wolfsburg zu den Mordanschlägen in Halle

(Wolfsburg, 11.10.2019) Am Mittwoch dieser Woche wurden in Halle zwei Menschen von einem Attentäter ermordet. Zuvor hatte er versucht, eine Synagoge zu stürmen. Die Menschen, die zu dieser Zeit in der Synagoge das jüdische Versöhnungsfest feierten, sollten die ersten Opfer des Mörders sein. Nur zufällige Umstände haben hier ein weiteres Blutvergießen verhindert.

Als Mitglieder des Abrahamforums Wolfsburg sind wir entsetzt über diesen antisemitischen Mordanschlag. Unser Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen. Unsere Sorge gilt den jüdischen Gemeinden und allen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern im ganzen Land. Angesichts eines mörderischen Antisemitismus sind alle Demokratinnen und Demokraten zur Solidarität mit den Angegriffenen aufgerufen. Unsere Zivilgesellschaft muss aufwachen und die Gefahren des Antisemitismus noch viel ernster nehmen als bisher. Auch hier in Wolfsburg gibt es jüdische Gemeinden, sie sind unsere Nachbarn und Glaubensgeschwister. Ihre Sicherheit liegt uns am Herzen. Sicherheit für jüdische und muslimische Gemeinden ist nicht nur eine Frage von Polizei und Justiz, sondern eine Aufgabe für alle Bürgerinnen und Bürger in dieser Stadt.

Es erschüttert uns, dass immer wieder Menschen, die sich in Synagogen, Moscheen und Kirchen zum Gottesdienst versammeln, zum Ziel von Mördern werden. Christchurch, Sri Lanka, Halle – eine Spur der Gewalt gegen Religionsgemeinschaften durchzieht das Jahr 2019. Wir rufen alle Mitmenschen in Wolfsburg auf, sich gemeinsam mit den Gläubigen für den Frieden einzusetzen und der politischen und rassistischen Gewalt in unserer Gesellschaft entgegenzutreten.

Das Abrahamforum ist ein Zusammenschluss von jüdischen, christlichen und muslimischen Gemeinden in Wolfsburg. 

Abrahamforum Wolfsburg
Deniz Benli, Dr. Ulrich Lincoln, Dimitri Tukuser (Sprecherkreis)

Superintendent Berndt wieder in Landessynode gewählt

Unser Superintendent wird auch der nächsten Landessynode ab dem 1. Januar 2020 angehören. Er wurde mit anderen 65 Haupt- und Ehrenamtlichen in das größte Leitungsorgan unserer Landeskirche gewählt. Die zwei aufgestellten Ehrenamtlichen unseres Kirchenkreises, Alexander Peter und Hendrik Wolf-Doettinchem wurden leider nur zu Ersatzsynodalen gewählt. „Ich freue mich, dass ich mich bei der Synode wieder für die Zukunft unserer Kirche einbringen und die Diskussionen und Entscheidungen in unseren Kirchenkreis zurücktragen kann,“ so Superintendent Berndt. „Vielen Dank an alle, die gewählt und die Wahl durchgeführt haben.“

Bei der ausschließlichen Briefwahl waren 11.000 Kirchenvorsteher*innen, die Mitglieder der Kirchenkreistage und 1.600 Pastor*innen der Landeskirche wahlberechtigt.

Regionalbischof zu Besuch im Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen

Imke Weitz verabschiedet

Die Mitwirkenden nach dem Visitationsgottesdienst am 22.09. in St. Stephanus Wittingen mit Landessuperintendent Dieter Rathing (5. von rechts). (Foto: Susanne Berndt)

Zum Abschluss seiner diesjährigen Visitation im Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen hat Landessuperintendent Dieter Rathing mit vielen Beteiligten am 22.09. einen Gottesdienst in Wittingen gefeiert. Dabei wurde der musikalische Reichtum unseres Kirchenkreises deutlich: der Bläserkreis aus Knesebeck, ein Projektchor mit 80 Sänger*innen und eine Band spielten und sangen zum Lobe Gottes und zur Freude aller Anwesenden. Die Organisatorin, Imke Weitz, wurde unter großem Beifall aus ihrem Amt als Kantorin des nördlichen Kirchenkreises verabschiedet, da sie zum 01.11.19 eine Stelle in Bremervörde antritt. Die Verabschiedung in der Kirchengemeinde folgt am 20. Oktober. Der zweite Höhepunkt im Gottesdienst waren die gemeinsam gelesenen Texte von drei Konfirmandinnen und dem Superintendententeam Christian Berndt und Karsten Heitkamp (1. Stellvertreter). Insgesamt präsentierte sich der Kirchenkreis als beteiligungsorientiert, kreativ und belebend.
Das gesamte Visitations-Besuchsprogramm umfasste an die 30 Termine im Lauf einer guten Woche. So sprach der Regionalbischof unter anderen mit den Verantwortlichen der Familienbildungsstätte, stattete dem Kita- und Familienzentrum Paulus in Wolfsburg einen Besuch ab und nahm an einer Sitzung des interreligiösen Abrahamforums teil. Darüber hinaus traf Rathing mit Vertretern der Stadt Wolfsburg zusammen, nutzte auch die Gelegenheit zu einem Austausch mit VW-Werkleiter Dr. Stefan Loth und dem Geschäftsführer des Betriebsrates, Marco Wittek.
Insgesamt bescheinigte Rathing dem Kirchenkreis ein besonderes Diakonie- und Bildungsprofil. Defizite wurden im Bereich der Jugendarbeit sichtbar. Eine andere Lücke konnte inzwischen geschlossen werden: Am 1. Oktober übernimmt Frauke Josuweit die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den Kirchenkreis.
In den Gesprächen kam immer wieder die Fusion der Kirchenkreises Wolfsburg und Wittingen zum 1. Januar 2013 zur Sprache. „Damals gab es in Wittingen die Sorge, dass Wolfsburg zu dominant sein würde“, erinnert sich Rathing. Aber das habe sich aus seiner Sicht nicht bestätigt.
(Text: Hartmut Merten und Christian Berndt)

Im Rahmen der Visitation des Kirchenkreises Wolfsburg-Wittingen besuchte Landessuperintendent Dieter Rathing (li.) am 20. September 2019 das Sozialkaufhaus Lichtblick in Wolfsburg. Dr. Kati Wenk und Geschäftsführer Rüdiger Irmler erläuterten das Konzept, rechts Superintendent Christian Berndt. (Foto Merten)

Gasteltern für 2020 gesucht

Ferienaktion für 'Kinder aus Tschernobyl'

Im Juni waren wieder Feriengäste aus Weißrussland zu Besuch im Isenhagener Land. Bereits zum 28. Mal beteiligt sich die Nordregion des Kirchenkreises Wolfsburg-Wittingen an der landeskirchlichen 'Ferienaktion für Kinder aus Tschernobyl'. 5 Mütter mit ihren Kleinkindern und eine Betreuerin sind für ihre vierwöchigen Ferien bei Gastfamilien in Lüsche, Emmen, Knesebeck, Wittingen und Ehra-Lessien untergebracht. Ziel ist es, dass sie im Isenhagener Land eine erholsame Zeit in gesunder Luft mit unverstrahlter Nahrung verbringen und so ihre körperlichen Abwehrkräfte stärken. Die Gruppe besuchte bereits den Tierpark Essehof; als weitere gemeinsame Aktionen stehen der Märchenpark Salzwedel, Badespaß am Bernsteinsee und Ausflüge nach Hannover und Celle auf dem Programm.

Zur Erinnerung: Der Reaktorunfall vom April 1986 in Tschernobyl brachte nicht nur wirtschaftlich schwere Auswirkungen für die Bevölkerung. Obwohl sich das Atomkraftwerk auf dem Territorium der Ukraine befindet, waren in Weißrussland die größten Schäden zu beklagen: 70 % der radioaktiven Stoffe gingen auf weißrussischem Gebiet nieder; 22 % der weißrussischen Fläche, auf der etwa 2,1 Mill. Menschen (davon 700.000 Kinder) leben, wurden langfristig radioaktiv verseucht. Die gesundheitlichen Folgen sind gravierend: Viele Menschen sind an Leukämie,Schilddrüsenkrebs, Jugend-Diabetes und Immunschwächen erkrankt. In den letzten Jahren kamen in der Region nur ca. 20 % aller Kinder gesund zur Welt.

Der Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen unterstützt die landeskirchliche Ferienaktion und übernimmt die Kosten für Flug, Taschengeld und Betreuungsprogramm. Damit die Maßnahme auch im nächsten Jahr fortgeführt werden kann, werden jetzt bereits Gasteltern für den Sommer 2020 gesucht. Infos beim Diakonischen Werk in Wittingen unter 05831-8453.