So viel Vertrautes wie möglich erhalten

Nachricht 23. September 2026

Was jetzt möglich ist für die Kinder der Martin-Luther-Kita

Voll besetzt war der Martin-Luther-Saal im Wolfsburger Haus der Kirche am gestrigen Dienstagabend: Kurzfristig hatte der Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen die Eltern der 88 Kinder eingeladen, die bisher im Martin-Luther-Kinder- und Familienzentrum betreut wurden. Besprochen werden sollte mit allen gemeinsam, wie es nun kurzfristig weitergehen kann und wie und wo die Kinder am besten weiterbetreut werden können. 

„Uns alle bestürzt, was am Sonntagmorgen geschehen ist. Eine solche Situation haben wir noch nie erlebt. Für Kinder, Familien und Mitarbeitende ist ein vertrauter Alltagsort weggefallen. Ein Ort, an dem wir gelebt, gespielt, gelacht, gearbeitet haben“, begrüßte Stefanie Heidemann-Müller, pädagogische Geschäftsführerin der Wolfsburger 15 evangelischen Kindertagesstätten und drei Familienzentren, knapp 120 Menschen unterschiedlichster Nationalitäten und Religionen. Oberstes Ziel sei es, so schnell wie möglich den betroffenen 88 Kindern und ihren Familien wieder eine verlässliche Betreuung zu ermöglichen.

Wohl der Kinder steht an erster Stelle

„Wir möchten nicht irgendeine schnelle Lösung schaffen, die nach wenigen Tagen wieder umgeworfen würde. Denn das Wohl der Kinder und das unserer Mitarbeitenden steht für uns an erster Stelle.“ Auch für die Familien seien die vergangenen Tage mit vielen Fragen und Unsicherheiten verbunden gewesen. „Nicht alles werden wir ihnen heute beantworten können, wir wünschen uns aber das offene Gespräch über Ihre Nöte und Fragen.“ 

Schnellstmöglich wieder Alltag ermöglichen, wie kann das konkret aussehen? „88 Kinder gemeinsam in einem Gebäude unterbringen, das können wir Ihnen nicht aus dem Stand anbieten. Wir wollen allerdings so viel Vertrautes wie möglich erhalten.“ Bestehende Gruppen sollten möglichst nicht getrennt werden, vertraute Fachkräfte gemeinsam mit ihren Gruppen an die jeweiligen Ausweichstandorte gehen. „Wir wägen gerade längerfristige Perspektiven und kurzfristige Optionen im Vergleich ab. Häufige Standortwechsel möchten wir vermieden, sie wären gerade jetzt für die Kinder zusätzlich belastend.“ 

Alle 88 Kinder können untergebracht werden

In allen der 14 verbliebenen Wolfsburger Einrichtungen des Kirchenkreises hat das Team um Stefanie Heidemann-Müller seit Sonntagmittag nach Unterbringungsmöglichkeiten gesucht. Dabei wurde schnell klar: Mehrere evangelische Einrichtungen in Wolfsburg kommen in Frage. Es könnten Gruppen geschlossen in die Christus-Kita in der Stadtmitte, in die Kita Stephanus I in Detmerode und in die St. Thomas-Kita in der Nordstadt wechseln, die Krippen-Gruppe könnte in die Kerken-Kita Ehmen gehen. „Wir möchten ausdrücklich nicht Kinder auf einzelne freie Plätze zu verteilen“, sagt Heidemann-Müller. Gleichwohl bestehe für Eltern diese Möglichkeit, wenn sie es wünschten. 

Geschwisterkinder sollen zusammenbleiben

Dass nicht für alle Familien die zusätzlichen Wege und Wegezeiten im Alltag leicht zu bewältigen seien, wisse man. Mit Blick auf die Kapazitäten der Eltern wolle man deshalb Geschwisterkinder in dieselbe Einrichtung vermitteln. Auch die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel hatten die Mitarbeitenden der evangelischen Kitas in Wolfsburg bei ihren Überlegungen im Blick. Bis auf die Kerken-Kita in Ehmen seien die alle Einrichtungen im Viertelstundentakt über Buslinien gut erreichbar. „Wir möchten den Krippen-Kindern für den Weg nach Ehmen gern einen Shuttle-Service anbieten. Ich muss aber dazu sagen: Gesichert ist dieses Angebot zurzeit noch nicht“, bedauerte Heidemann-Müller die an dieser Stelle noch fehlende Verbindlichkeit.

Eltern sollen nicht auf Kosten sitzen bleiben 

Dass Kinderbetreuung die Familien Geld kostet, machte Nicole Glapa, betriebswirtschaftliche Leiterin der 15 evangelischen Einrichtungen in Wolfsburg, deutlich. „Wir haben Ihre Beitragszahlungen für Oktober gestoppt, so dass nichts abgebucht wird.“ Die in der Martin-Luther-Kita verbliebenen Schuhe und Kleidungsstücke der Kinder könnten kurzfristig über die eigene Hausratversicherung oder aber über die Kita-Versicherung erstattet werden. „Wie lange die Erstattung dauern wird, können wir leider nicht sagen. Aber niemand bleibt auf seinen Kosten sitzen, das ist unser Ziel“, erklärte Glapa und bat die Eltern, die die Kita-App für die Versicherungsmeldung zu nutzen.

Wir retten, was möglich ist

„Wenn es möglich ist, irgendwas zu retten, werden wir das für Sie retten. Zurzeit geht es nicht, auch ich darf nicht auf das Kita-Gelände“, erklärte Superintendent Christian Berndt. Alle seien jetzt bemüht, zu klären, was am Sonntag passiert ist. „Wir wissen es noch nicht, die Polizei ist mit Gutachtern auf Ursachensuche. Wir wissen auch nicht, wie es mit der Kita weitergehen kann, das ist noch viel zu früh. Am liebsten würde ich es Ihnen heute schon sagen können.“ Viele Spekulationen würden geäußert. „Lassen Sie uns keine Vermutungen verbreiten. Wir sind alle sehr dankbar, dass niemand zu Schaden gekommen ist.“

Wir sind für Sie da

Das Gebäude des Martin-Luther-Kinder- und Familienzentrums gehört der Wolfsburger Stadtkirchengemeinde. „Ich bin unfassbar traurig über das, was passiert ist“, sagte Frank Morgner, Pastor der Stadtkirchengemeinde, der seit über 20 Jahren jeden Monat in der Kita Kinderkirche gefeiert hat. „Ich bin nicht nur für Kinder da. Wenn Sie Gesprächsbedarf haben, rufen Sie mich, kommen Sie auf mich zu. Wir sind für Sie da.“ 

Danke für viele Hilfsangebote

Hilfsangebote gab es auch von vielen Menschen aus der Stadt Wolfsburg. „Es tut gut zu wissen, dass wir nicht allein dastehen“, bedankte sich Superintendent Christian Berndt. Zunächst stünden für alle Verantwortlichen andere Fragen im Zentrum, aber sobald die geklärt seien, werde man auf die Hilfsangebote sehr gern zurückkommen. „Wer jetzt schon etwas spenden möchte für die Martin-Luther-Kita, findet auf der Website des Kirchenkreises das Spendenkonto, das wir dafür eingerichtet haben.“ 

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