Zwei Player, ein Ziel: Kirche und Kommune wollen für den Flecken Brome ein Gemeinschaftshaus schaffen. Knapper werdende finanzielle Möglichkeiten sind Thema für beide Projektpartner, mit Mitteln des Dorfentwicklungsprogrammes könnte daraus trotzdem etwas werden. „Man müsste ‘ne Tracht Prügel bekommen, wenn man das nicht macht“, sagte Lothar Hilmer, Bürgermeister des Fleckens Brome, welcher mit anderen Dörfern am Drömling zurzeit von der Dorfentwicklungsförderung profitiert. In Summe mit über zwei Millionen Euro bei bereits genehmigten Projekten, wie Hilmer auf einem Infoabend in der Bromer Liebfrauenkirche wissen ließ.
Eingeladen dazu hatten die Kirchengemeinde Brome-Tülau und der Rat des Fleckens Brome. Bereits im seit 2024 hat die Kirchengemeinde Brome-Tülau nach Möglichkeiten gesucht, auch ohne eigenes Gemeindehaus das Gemeindeleben aktiv gestalten zu können. Die ursprüngliche Idee, einen abtrennbaren Glasraum in die Kirche einzubauen, der nicht nur, aber sehr wohl auch für die Winterkirche hätte genutzt werden könnte, scheiterte am kirchlichen Denkmalschutz.
Gemeinderat ist nicht abgeneigt
Ewald Rowohlt ist Architekt aus Zicherie, ein zu Brome gehörender, nicht mal 300 Seelen zählender Ort, als ‚Klein-Berlin‘ mindestens deutschlandweit bekannt. Der Fachmann für Baufragen ist Teil der Arbeitsgemeinschaft, die seit dem vergangenen Jahr dem geplanten kirchlich-kommunalen Gemeinschaftsprojekt Leben einhaucht und überlegt, wie mit Umbau des bestehenden Gemeindehauses und neuem Anbau eine Gemeinschaftsimmobilie nicht nur für Kommune und Kirche, sondern ganz explizit auch für die Bürgerinnen und Bürger des Fleckens entstehen könnte. “Jeder Ort braucht Treffpunkte, auch um Isolierung, Vereinsamung und Anonymität entgegenzuwirken“, sagt er. Dritte Orte neben Wohnraum und Arbeitsstätte nenne man diese im Fachjargon. Den hatte der Flecken, nur leider ist er im Januar 2020 bis auf Grundmauern runtergebrannt.
Es geht nur gemeinsam
Da ein Förderprojekt der Dorfentwicklung maximal 550tausend Euro kosten darf, bei dem kommunale Träger mit 90 Prozent Förderung, die Kirche mit 75 Prozent unterstützt werden können, ist bei den derzeitigen Baupreisen an einen Wiederaufbau allein durch die kommunale Gemeinde nicht zu denken. „Der Gemeinderat ist unserer Projektidee gegenüber nicht unbedingt abgeneigt“, ließ Hilmer durchblicken. Wie gesagt, man müsste eine Tracht Prügel bekommen und die wolle schlussendlich niemand beziehen.
Die Geschichte des Liebfrauen-Gemeindehauses ist lang: Fast 20 Jahre ist es her, dass erste Bemühungen unternommen wurden, das Objekt zu sanieren, es umzunutzen, es abzureißen, es neu zu erbauen. Alle Ansätze scheiterten. Mal wurden die beantragten EU-Leadermittel nicht genehmigt, mal gab es Widerstände aus dem Ort selbst, es wollte einfach nicht gelingen. Und dann wurde kirchlicherseits immer klarer: Wir müssen Gebäudebestand priorisieren und reduzieren, wir können nicht mehr alles bezahlen. Das Bromer Gemeindehaus soll bis 2030 verkauft oder umgenutzt werden, ein Ersatzgebäude ist nicht vorgesehen. Das beschloss die Kirchenkreissynode im Dezember 2024. Da hatten sich die Bromer Kirchenverantwortlichen bereits auf den Weg gemacht.
Ort, um neu Gemeinschaft zu leben
„Das kann nicht mehr ein Haus der Kirche sein, es muss ein Haus für Brome werden, das wir als Kirche noch mitnutzen können. “ So sieht es Johann Staak, Pastor in Brome, Tülau und Ehra im Pfarrverbund Region Mitte. „So ein Ort könnte eine neue Form von Gemeinschaft schaffen, die wir angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen dringend brauchen.“
Johann Staak möchte eine neue Geschichte für den Ort erzählen, eine Geschichte, die viele – frei nach Altvater Noah – in ein Boot holt. Seine Erfahrung ist: „Veranstaltungen von Kirche, die das klassische kirchliche Narrativ verlassen, werden sehr gut angenommen.“ Von Alteingesessenen wie von Zugezogenen.
Die Ortsmitte wieder beleben
Das Haus für Brome soll nicht nur Gemeinschaft beleben, sondern auch gemeinschaftlich belebt werden soll, so der Wunsch nicht nur von Kirche. Ein bereits erstellter denkbarer Belegungsplan lasse deutlich werden: Das könnte funktionieren. Vorträge, Konzerte, Filmveranstaltungen, Theatervorstellungen und manches mehr könnten den Ort wiederbeleben. Drei Räume im Erdgeschoss, unterschiedlich teilbar, dazu ein großer Außenbereich mit Terrasse und weitere Räume im Obergeschoss – von 90 Plätzen mit parlamentarischer Bestuhlung bis hin zu einem Café wäre neben ganz pragmatischen Veranstaltungen wie Ratssitzungen (fast) alles denkbar.
Große Ideen brauchen Erdung und nicht zuletzt Menschen, die das mit umsetzen und langfristig sicherstellen, dass die alle berechtigten Nutzunginteressen berücksichtigt werden. Das solle ein dafür zu gründender Bürgerverein übernehmen, so die Idee der Projektinitiator:innen.
Fazit einer Bromerin in der anschließenden Diskussion: „Zweckgemeinschaften von Kommunen und Kirchen funktionieren nach bisherigen Erfahrungen gut.“ Es bliebe dennoch die Frage, wer die pragmatische Verwaltungsarbeit und die wirtschaftliche Betriebsführung übernähme. Ein Bürgerverein sei damit überfordert. „Wir stehen ganz am Anfang mit unseren Überlegungen und gehen damit jetzt bereits an die Öffentlichkeit, diese Punkte müssen wir in den kommenden Monaten bedenken. Wir wollen mit Ihnen gemeinsam den richten Weg finden“, so Architekt Rowohlt.
In dreieinhalb Jahren soll alles fertig sein
Die kommenden Monate werden arbeitsintensiv für die Bromer:innen. Es gilt, technische und bautechnische Fragen zu klären, damit überhaupt ein Bauantrag gestellt werden. Es will besagter Bürgerverein gegründet werden und dann muss bis September 2026 der Förderantrag gut fundiert und gut begründet fertig werden. Im Mai 2027 könne mit einer Entscheidung gerechnet werden, so Rowohlt, dann beginne sofort die konkrete Planung und kein halbes Jahr später müsse mit dem Bau begonnen werden. „Im Sommer 2029 könnten wir Eröffnung feiern.“
Was sich nach einem hehren Ziel anhört, muss nicht unrealistisch sein. Das haben andere im Kirchenkreis bereits (fast) hinbekommen, so beispielsweise die Friedensgemeinde in Groß Oesingen in Kooperation mit der Samtgemeinde Wesendorf. Wir drücken den Bromer:innen die Daumen, dass das was wird. Denn das könnte richtig gut werden!
KK-Öffentlichkeitsarbeit