Sommer im kleinen Garten

Nachricht 27. Juli 2022

Wittinger Ferien-Kunstaktion für Kinder aus Flüchtlingsfamilien

Der Weg ist nicht so leicht zu finden, wie zunächst gedacht. Hinweisschilder gibt es keine, einmal um den Sportplatz laufen und dabei Ausschau halten nach einem Gartenzugang, so lautete die Wegbeschreibung von Flüchtlingssozialarbeiterin Imke Banse. Auf dem Fußweg um den Sportplatz überholt mich ein Kleinwagen und fährt kurz darauf links ran.  „Jetzt haben wir genug Beton, wir haben noch einen Sack geholt“, ruft die Fahrerin ins Grün hinein. Da muss es sein, denn Imke Banse ist diejenige, die wohl gerade vom Baumarkt kommt.

„Magst Du gern dieses Hellblau?“, fragt Natascha Engst-Wrede, Malerin und Grafikerin aus Wittingen, sie ist umringt von acht Kindern, darunter auch zwei Jungen. Fröhlich unaufgeregtes Tun herrscht im kleinen Garten, wo das Kinder-Kunstprojekt stattfindet. Betonplatten werden gegossen und mit unterschiedlichsten Mosaiksteinen gestaltet. „Die Platten legen wir in den Garten“, sagt Tereza (11). „Eine nehme ich mit und die restlichen drei lasse ich hier für den Garten.“ Tereza ist die mittlere von drei Schwestern, die hier Pflastersteine gestalten. Sie ist gebürtige Armenierin und Kurdin, ihre Familie lebt seit mehreren Jahren in Wittingen. Eine willkommene Ferienaktion ist das für Tereza, denn wer kennt es nicht von früher: Ferien können auch langweilig sein. Insbesondere dann, wenn der eigene Garten nicht vor der Haustür liegt.

Einfach mal sein können

Der kleine Garten ist ein diakonisch-interkulturelles Begegnungsangebot mitten in Wittingen. „Es geht nicht darum, erfolgreich Gemüse anzubauen oder einen Paradiesgarten zu gestalten. Es soll ein Ort sein, an dem Menschen sich treffen können, einfach sein können“, erläutert Imke Banse. Die von ihr betreuten Familien wohnen häufig in kleinen Wohnungen ohne Balkon oder Garten.

Irak, Armenien, Tschetschenien, Georgien, Liberia, Westafrika, Afghanistan, Sudan, Iran, Syrien – nicht nur unterschiedliche Nationalitäten und Kulturen kommen hier zusammen. „Alle Religionen kommen hierher.“ Religion spiele keine Rolle, man tausche sich aber darüber aus, spreche auch über unterschiedliche Rituale, aber niemand werde stigmatisiert. „Es wird einfach erzählt. Hochzeitsrituale, Brautpreise, wie die Religionen mit Heirat umgehen, es gibt so viele Themen.“ Ein Austausch mit Toleranz und Offenheit. Der Wunsch von Projektinitiatorinnen Imke Banse und Birgit Pilz ist, dass auch deutschstämmige Familien aus Wittingen dazukommen.

Drauftreten oder bestaunen?

„Die verschiedenen Kulturen, die wir in unserem kleinen Garten und in unserer Gesellschaft beieinanderhaben, die werden sich in den Trittsteinen wiederfinden. Es wird alles schön zusammengefügt zu einem bunten Ganzen“, freut sich Natascha Engst-Wrede. Ob sich jemand trauen wird, draufzutreten? Oder wird man sie einfach bestaunen? Bevor es so weit ist, ist noch allerhand zu tun: Die Betonplatten müssen austrocknen, die Stellen, an denen sie verlegt werden sollen, müssen ausgekoffert und mit Sand verfüllt werden. Wie und wo genau die Trittsteine liegen werden, werde sich zeigen. „Aus diesen Steinen kann ein Weg entstehen. Wir haben sie mega-dick gemacht, damit die den Winter in Deutschland auch überstehen!“

Viele tragen zum Gelingen bei

Mindestens zwei Nachmittage wird die Garten-Kunstaktion für Kinder dauern, Holz-Sitzpilze sollen noch gebaut und bemalt werden, die Skizzen dazu entstehen parallel zu den Trittsteinen. „Ich bin hier sehr freudig dabei, das ist eine gute Arbeit für meine Seele“, sagt Natascha Engst-Wrede, die ganz nebenbei Zeichenunterricht für die 11-jährige Tereza gibt. Viele tragen zum Gelingen des Gartenprojektes bei: Das Holz für die Sitzpilze hat eine örtliche Tischlerei zur Verfügung gestellt, der Garten selbst darf unentgeltlich genutzt werden, er gehört dem Wittinger Gastronom Sükrüye Akpinar, nur Strom- und Wasserverbrauch werden abgerechnet.

Vieles wächst bereits – Erdbeeren, Bohnen, Dill, Petersilie, Tomaten, Endiviensalat, Zucchini sind auf den schnellen ersten Blick zu erkennen. Schaukel, Wippe und ein kleines Holzhaus gibt es auch. „Immer donnerstagsnachmittags sind wir hier und auch samstags an zwei Nachmittagen im Monat“, lädt Imke Banse Wittinger:innen ein, doch mal vorbeizuschauen. Der kleine Garten ist ihr Herzensprojekt, das sie gemeinsam mit Birgit Pilz auf die Beine gestellt hat. Unterstützt wird das Projekt vom Diakonischen Werk in Niedersachsen, einzelne Projekte werden von Stiftungen im Landkreis Gifhorn unterstützt.

Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen / Frauke Josuweit

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Sommerfest im kleinen Garten

Das Projekt von Imke Banse und Birgit Pilz startete im Herbst 2021. Die erste Tat: Eine Holzhütte in Wolfsburg ab- und in Wittingen wieder aufbauen. Der Garten war verkrautet, es lagen umgefallene Bäume darin. Angelegt ist das Projekt auf drei Jahre, am 10. September um 15 Uhr soll hier offiziell gefeiert werden: Mit dem Wittinger Bürgermeister Andreas Ritter und Superintendent Christian Berndt.

Foto: Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen / Öffentlichkeitsarbeit

Natascha Engst-Wrede

Die Wittinger Künstlerin begleitet das Kinder-Kunstprojekt im kleinen Garten. Sie wird auch bei der Langen Nacht der Kirchen am 24. September 2022 dabei sein. Kommen Sie auch?

...Lange Nacht der Kirchen

Imke Banse
Imke Banse
Junkerstraße 22
29378 Wittingen
Tel.: 05831 8452
Fax: 05831 992165
Mobil: 0160 990 776 24

Birgit Pilz
Tel.: 0170 5524220