Flüchtlingssozialarbeit und Wolfsburger Gleichstellungsreferat kooperieren
Alle 12 Minuten stirbt weltweit eine Frau oder ein Mädchen an den Folgen von Genitalverstümmelung. Wer diese Gewalttat überlebt, hat in der Regel lebenslange gesundheitliche Probleme. „Was hat das mit Wolfsburg zu tun, das hören wir häufig“, weiß Susanne Deimel, Leiterin des Gleichstellungsreferates der Stadt Wolfsburg. Gemeinsam mit Alexandra Fastnacht, Flüchtlingssozialarbeiterin im Kirchenkreis, hatte sie im Rahmen der ‚Orange Days‘ zu den Wohnzimmergesprächen ins Alvar-Aalto-Bildungshaus eingeladen hatte. Mehr als tausend Frauen und Mädchen sind allein im Raum Wolfsburg von Genitalverstümmelung betroffen oder bedroht, deutschlandweit sind es 70tausend Betroffene und 32tausend gefährdete Mädchen.
„Frauen wird mit der genitalen Verstümmelung eine untergeordnete Stellung zugewiesen, sie werden damit daran erinnert, dass sie nicht das Recht haben, über ihren eigenen Körper zu bestimmen“, sagt Sozialfachwirtin Alexandra Fastnacht, die seit vielen Jahren mit geflüchteten Frauen arbeitet. Oftmals würden Mädchen beschnitten, die deutlich jünger als 14 Jahre seien, Mehrfachbeschneidungen seien eher die Regel als die Ausnahme. „Tradition, Religion, sexuelle Kontrolle, soziale Zugehörigkeit, Rollenerwartungen, Höhe des Brautgeldes – viele Gründe werden angeführt zur Rechtfertigung dieser Gewalttat.“
Aufklärung tut not
Ein schwieriges Thema ist es, dessen sich die beiden Wolfsburger Sozialarbeiterinnen da annehmen. „Wir haben heute Interessierte eingeladen, weil wir verstehen wollen, ohne sofort reflexhaft in eine moralische Debatte zu verfallen“, so Deimel, die den Abend im Aalto-Haus moderierte. „Wir erleben hoch gebildete Frauen, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder entbinden sollen“, berichtet Melek Gültepe, Gynäkologin in Braunschweig. Natürliche Geburten seien oft aufgrund der körperlichen Verstümmelung nicht möglich, Blutungs- und Infektionsgefahr erheblich höher, Retraumatisierungen wahrscheinlich, die Kindersterblichkeit massiv erhöht.