Königskleider und Hirtenstöcke

Nachricht 14. Dezember 2023

Welcher König von den dreien wohl der kleinste ist? Caspar, Melchior und Balthasar sind sich nicht sicher. Der rote ist es, befinden sie. Also ein echter König, Leon nämlich, der einzige Junge unter 19 Mädchen, die in diesem Jahr an Heiligabend das Krippenspiel in Knesebeck aufführen wollen. „Angelo, Angela, Wirt und Wirtin, Maria und Josef und Gabriel bleiben hier. Alle anderen gehen rüber zum Chor und zur Kostümprobe ins Gemeindehaus!“, ruft Christina vom Brocke in das Gewusel aufgeregter Engel, König:innen und Hirtinnen. Schnell noch ein Blick in die Kalender. „Wir machen keine öffentliche Generalprobe! Drei Proben und dann sitzt es!“ Die ehemalige Knesebecker Pastorin, Franziska Gottschalk und Melanie Dinter, beide ehrenamtliche Flohdompteurinnen, sind sich einig.

„Wir starten mal mit den Königen“, befindet Kostümchefin Franziska Gottschalk. In Orange, gelb und blau werden die Drei gehüllt, neue Gewänder, gerade gefertigt in der Knesebecker Integrationswerkstatt. „Die haben einen Saum, den wir auslassen können.“ Wer der kleinste der Könige – Entschuldigung, der König:innen – ist, war ja schon geklärt. Die wichtigere Frage ist aber vielleicht, wer die oder der Schönste ist? „Ich bin am königlichsten“, dreht sich die blaue Königin um sich selbst. „Ist mir egal!“, meint Hirtin Emma. „Ohne uns kriegst Du nämlich nix zu essen!“ Emmas Hirtenstock ist so groß, dass er nicht durch den Türrahmen passt.

Wann und wo wir Weihnachtsgottesdienste feiern

Es kommt zu Streit unter den Hirtinnen. „Ich will den anderen Stock!“ Für so was ist jetzt keine Zeit, Franziska Gottschalk ruft zu Szenenproben. „Wisst ihr noch, wo ihr stehen sollt? Also: Die Hirtinnen gehen zum Wirtshaus, auf gehts.“ Hirtin Emma behält ihren Stock und macht sich auf den Weg. „Hier muss es sein, hier ist das Wunder heut‘ geschehen!“. Den Hirtinnen folgen die König:innen. Weckt mir die Gäste nicht!, ruft die Wirtin. Den Königshof sucht ihr?, fragt der Wirt. „Nein, das Kind im Stall!“ und schon laufen sie den Hirtinnen nach.

In der Kirche steht derweil Gabriel, das Erzengelchen, auf einem Hocker vor dem Weihnachtsbaum und lernt seinen Text. Angelo und Angela, die Engel im Hintergrund als Himmelspolizei, werden in schwarzen Kleidern spielen, mit hellem Lichterkranz auf dem Kopf. Die weißen Engelkostüme bleiben bis Heiligabend in der Garderobe. „Sonst sind die zur Aufführung dreckig“, hatte Franziska Gottschalk erklärt. In der adventlich geschmückten Katharinenkirche ist strahlender Sonnenschein, Christina vom Brocke probt mit Wirtspaar und Engeln, ein Handy klingelt, dann noch eins. Die Wirtin klagt: „Jetzt steh ich schon das vierte Mal auf heut‘ Nacht!“

Im Gemeindehaus probt der Chor: Im Dunkeln ist ein Licht erwacht, dass alle Menschen glücklich macht. „Ich war zu langsam.“ „Nein, Du warst zu schnell!“ „Achtung, wir machen es noch mal! Achtet darauf, dass ihr nicht zu schnell singt“, ermuntert Melanie Dinter ihre Chormädchen. Es leuchtet, es leuchtet, durch die Nacht. Und dann ist Zeit für die Pause drüben in der Kirche, da gibt es Kekse. Eine Hirtin gähnt. Zwei Aufführungen gibt es Heiligabend, zweimal eine Stunde Höchstkonzentration, eine Mega-Leistung für alle, die beim Krippenspiel mitmachen.

„Psst! Wir spielen jetzt einmal pantomimisch die letzte Szene durch“, beendet Regisseurin Christina vom Brocke die Pause. „Ich bin ganz relaxt, wir schaffen das schon.“ Zurzeit ist es für alle viel, Weihnachtsfeiern in der Schule und in den Sportvereinen, das ist auch für Kinder anstrengend. Im Dunkeln ist ein Licht erwacht ertönt im Playback, die Hirtinnen treten auf und übergeben ihre Geschenke. Die König:innen sind schon unterwegs, bei der Krippe angekommen, verneigen sie sich. „Ihr steht ein bisschen eng“, korrigiert Christina vom Brocke. „Diese Szene, an der wir jetzt rumgemuckelt haben, spielen wir noch einmal richtig mit Musik und Texten. Alle, die keine Rolle haben, singen mit!“

Es kommt Bewegung in die Szene: Ein Wunder ist im Stall geschehen. „Das ist heute Nacht nur ein Notquartier, war ich verrückt, ich hab‘ die beiden fortgeschickt“, klagt die Wirtin. Im Dunkeln ist ein Licht erwacht, das alle Menschen glücklich macht. Es leuchtet, es leuchtet durch die Nacht.

Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis / F. Josuweit

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Weihnachtsgottesdienste

Vom 24. bis zum 26. Dezember feiern wir in unseren Kirchen Weihnachten und laden Sie herzlich ein, mit uns gemeinsam Gottesdienst zu feiern.

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