Der Notausgang wird zum Altar

13. Mai 2020

Superintendent Christian Berndt im Gespräch / Autogottesdienst am Himmelfahrtstag

Himmelfahrt in Wolfsburg: Superintendent Christian Berndt lädt zum Autogottesdienst ein

Unter normalen Umständen feiert der Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen Himmelfahrt mit einem Gottesdienst auf dem Wolfsburger Klieversberg. In diesem Jahr haben Sie sich etwas anderes überlegt. Was haben Sie vor?

Christian Berndt: Wir trotzen dem Corona-Virus und feiern einen Autogottesdienst an der Volkswagen-Arena – direkt auf dem Parkplatz vor dem Süd-West-Eingang. Quasi im Herzen von Wolfsburg, zwischen Autostadt und VfL-Stadion. Bei einem Freiluftgottesdienst mit 500 Menschen wie in den vergangenen Jahren auf dem Klieversberg hätten wir die Abstands- und Hygieneregeln kaum einhalten können. Doch Himmelfahrt ohne Gottesdienst draußen geht nicht! Daher fahren wir nicht nur im Auto zum Gottesdienst, sondern bleiben gleich darin sitzen. So schützen wir uns und andere vor einer Ansteckung und beziehen die Fahrzeuge sogar mit in den Gottesdienst ein.

Wie genau soll das ablaufen?

Christian Berndt: Uns steht für den Gottesdienst ein großer Parkplatz mit bis zu 400 Stellplätzen zur Verfügung. Wer die Arena findet, findet auch seinen Stellplatz. Dafür werden viele Einweiser*innen sorgen. Alle Fahrzeuge werden mit Blick auf die Bühne ausgerichtet, die – einmalig für einen Gottesdienst – drei Ebenen hat. Dem VfL dient unser „Altarraum“ sonst als Notausgang. Dort erwarten uns Bläser, eine Mini-Band und die Evangelische Jugend des Kirchenkreises. Sie alle gestalten mit mir diesen Gottesdienst zum Thema Vertrauen, biblisch gesprochen: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“

Der Gottesdienst beginnt um 10.00 Uhr, wann muss ich vor Ort sein, um mitfeiern zu können?

Christian Berndt: Für das Parken sollten alle schon ein paar Minuten mehr einplanen, aber dafür muss dann niemand mehr das Fahrzeug verlassen. Streng genommen soll sogar niemand das Fahrzeug verlassen, damit sich keiner ansteckt. Das ist eine Auflage des Landes Niedersachsen. Deshalb sind auch keine Toiletten vorgesehen. Alle sind herzlich zu diesem besonderen Gottesdienst eingeladen.

Was sollte ich mitbringen?

Christian Berndt: Nur eins ist wirklich notwendig: Ein Autoradio! Denn der Ton wird über eine Radiofrequenz eingespielt. Für das Sehen hilft vermutlich ein Fernglas. Und die Sonnenbrlle nicht vergessen, denn wir hoffen auf bestes Wetter! Sonst braucht man nach Wunsch noch etwas zu trinken und gerne etwas Geld für eine Spende für einen örtlichen Hilfsfonds für Menschen, die unter den Folgen der Corona-Pandemie besonders leiden. Und noch etwas Besonderes beim Autogottesdienst: Es dürfen alle lautstark mitsingen. In den Kirchen müssen wir darauf zurzeit wegen der erhöhten Übertragungsgefahr verzichten. Unsere exzellenten Musiker*innen werden uns beim Singen begleiten und unterstützen.

Wenn nun viele Wolfsburger Kind und Kegel ins Auto setzen und alle zu Ihrem Gottesdienst kommen, was machen Sie dann?

Christian Berndt: Dann freuen wir uns sehr! Selbst wenn mehr kommen als erwartet. Per Radio kann der Gottesdienst auch auf dem nahegelegenen Ausweichparkplatz mitverfolgt werden. Es sind auch hier die offiziellen Vorgaben zu beachten: Es dürfen sich maximal zwei Personen in einem Auto befinden. Mehr als Personen sind nur zulässig, wenn alle im selben Haushalt wohnen.

Himmelfahrt wird in unseren Breiten als Vatertag gefeiert – aber was feiern wir als Christenmenschen am Himmelfahrtstag?

Christian Berndt: Jesus ist ganz bei Gott, vom irdischen Leben erhöht in den himmlischen Machtbereich Gottes. Jesus ist also voll und ganz an der Seite Gottes. So verstehen und feiern wir Himmelfahrt.

Was verbinden Sie persönlich mit dem Himmelfahrtstag?

Christian Berndt: Ich erinnere mich gerne an ganz vielen Freiluftgottesdienste – auf Hügeln und Bergen, auch im Wald. Gott anders nahe sein als in einer schönen Kirche, nämlich in der Natur, unter freiem Himmel – das ist für mich Himmelfahrt. Dazu kommt noch die Herausforderung zu erklären, wo Jesus denn jetzt ist, wenn er doch aus dem Tod auferstanden ist. Wie er uns, ohne körperlich anwesend zu sein, im Leben beistehen kann. Da geht es dann um ganz praktische Fragen wie beispielsweise: Worauf kann ich mein Vertrauen setzen? Darum soll es auch in diesem Jahr gehen – und vor allem aus der Sicht von Jugendlichen.

Auferstanden und dann – nach 40 Tagen – aufgefahren in den Himmel, sitzt er zu Rechten Gottes, heißt es in unserem Glaubensbekenntnis über Jesus. Wo war er denn in dieser Zeit? Wie erklären Sie das Menschen, die mit Kirche und christlichem Glauben nicht mehr verbunden sind?

Christian Berndt: Nach seiner Auferstehung war Jesus bei den Menschen – hautnah, ganz präsent. Das hätten die damals auch gerne länger so gehabt, aber seit Himmelfahrt müssen wir ohne die körperliche Gegenwart von Jesus auskommen und darauf vertrauen, dass er dennoch bei uns ist. Deshalb gehört auch noch Pfingsten mit dazu: Da hat Gott dann seinen Heiligen Geist, seine Wirkmacht, über die Menschen ausgeschüttet. Das kann uns tragen in guten und in schweren Zeiten.

Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises / F. Josuweit

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Öffentlichkeitsarbeit

Frauke Josuweit
Tel.: 0 151 151 060 70

Himmelfahrt im Kirchenkreis

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