Zwischen Bücherregalen entsteht Gemeinschaft im ländlichen Raum
In einer alten Pfarrscheune zeigt sich, wie eine Bücherei sein kann: Zwischen Kinderbüchern, DDR-Geschichte und handgemachten Lesezeichen entsteht ein Raum, der Generationen verbindet - beispielhaft für 4.000 kirchliche Büchereien in Deutschland.
Knesebeck (epd / Charlotte Morgenthal). Fast unscheinbar sieht das einstöckige Holzgebäude im niedersächsischen Knesebeck aus, durch die Fenster dringt warmes Licht nach draußen. Knesebeck, ein Ort nahe Gifhorn an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, beherbergt in einer alten Pfarrscheune gegenüber der Kirche eine von bundesweit 700 evangelischen öffentlichen Büchereien. Drinnen sortiert die ehrenamtliche Leiterin Bettina Winter gerade neue Bücher in die Regale. "Wir sind klein, aber fein", sagt sie lächelnd.
Zu den 2.600 Büchern in den Regalen zählen Thriller, Kochbücher oder Anleitungen zum Stricken. Auf der Fensterbank hat der Heimatverein Literatur zur Ortsgeschichte zusammengestellt. Ein Buch im rosafarbenen Einband blättert Winter kurz durch und sortiert es dann bei den Romanen ein.
Loswerden, was auf der Seele liegt
Weiter hinten im etwa 50 Quadratmeter großen Raum sitzt Doris Lemberger am PC und scannt Bücher zum Ausleihen ein. Die 60-Jährige ist eine von neun ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Zum Schluss stempelt sie ganz analog noch das Rückgabedatum ins Buch.
Die Mitgliedschaft in der Bücherei ist für die rund 350 aktiven Leserinnen und Leser kostenfrei, es gibt auch keine Mahngebühren. Für manche sei der Ort viel mehr als nur eine Quelle für neuen Lesestoff, sagt Lemberger. "Viele kommen her, um einfach mal was loszuwerden, was ihnen auf der Seele liegt."