Altenheimseelsorgerin Michaela Willert geht in den Ruhestand
Sie war noch nicht mal 40 Jahre alt, als sie Seelsorgerin für Menschen wurde, die in Alteneinrichtungen leben. Was Sie hier gelernt und erlebt hat, hat sie geprägt.
Frau Willert, mit 37 Jahren haben Sie Ihren Dienst als Pastorin im Diakonischen Werk Wolfsburg begonnen. Was hat Sie hier fast drei Jahrzehnte gehalten?
Michaela Willert Es gibt wenig Menschen, die freiwillig hier reingehen. Ich habe aber ja nicht nur in den Senioreneinrichtungen und Hospizgruppe gewirkt, sondern auch im Kindergarten oder der Suchtberatung. Dennoch: Hier konnte ich mich um das kümmern, was mir in meinem Beruf wichtig ist, Seelsorge und Verkündigung nämlich. Ziemlich bald habe ich gemerkt: Das ist ein schönes Arbeiten. Die Beziehung zu den Menschen, die hier leben und arbeiten, ist sehr intensiv. Und je mehr die Zeit fortschritt, desto mehr habe ich mir gewünscht, länger bleiben zu können.
Was haben Sie hier erlebt?
Michaela Willert Hier leben überwiegend Frauen mit einer Mini-Rente - Kinder der Kriegsgeneration, die ihre Männer noch zu Hause versorgt haben bis zu deren Tod. Und diese Generation begehrt nicht auf. Es gibt viel Scham, sich in die Abhängigkeit fremder Menschen geben zu müssen. Nur noch Grundpflege zu erhalten – das würde unsere Generation so nicht mit sich machen lassen. Wenn es dann überhaupt noch Menschen gibt, die sich um Pflegebedürftige kümmern. Meine Oma hat immer gesagt: Wenn ich nicht mehr kann, dann falle ich tot um. Das war auch der Wunsch der meisten Menschen hier. Und ja, wir haben auch immer wieder mal Bitten von Schwerstkranken, die um Hilfe mit assistiertem Suizid fragen.