Ich wollte hier nie weg

Nachricht 02. März 2026

Altenheimseelsorgerin Michaela Willert geht in den Ruhestand

Sie war noch nicht mal 40 Jahre alt, als sie Seelsorgerin für Menschen wurde, die in Alteneinrichtungen leben. Was Sie hier gelernt und erlebt hat, hat sie geprägt.

Frau Willert, mit 37 Jahren haben Sie Ihren Dienst als Pastorin im Diakonischen Werk Wolfsburg begonnen. Was hat Sie hier fast drei Jahrzehnte gehalten?

Michaela Willert   Es gibt wenig Menschen, die freiwillig hier reingehen. Ich habe aber ja nicht nur in den Senioreneinrichtungen und Hospizgruppe gewirkt, sondern auch im Kindergarten oder der Suchtberatung. Dennoch: Hier konnte ich mich um das kümmern, was mir in meinem Beruf wichtig ist, Seelsorge und Verkündigung nämlich. Ziemlich bald habe ich gemerkt: Das ist ein schönes Arbeiten. Die Beziehung zu den Menschen, die hier leben und arbeiten, ist sehr intensiv. Und je mehr die Zeit fortschritt, desto mehr habe ich mir gewünscht, länger bleiben zu können. 

Was haben Sie hier erlebt?

Michaela Willert  Hier leben überwiegend Frauen mit einer Mini-Rente - Kinder der Kriegsgeneration, die ihre Männer noch zu Hause versorgt haben bis zu deren Tod. Und diese Generation begehrt nicht auf. Es gibt viel Scham, sich in die Abhängigkeit fremder Menschen geben zu müssen. Nur noch Grundpflege zu erhalten – das würde unsere Generation so nicht mit sich machen lassen. Wenn es dann überhaupt noch Menschen gibt, die sich um Pflegebedürftige kümmern. Meine Oma hat immer gesagt: Wenn ich nicht mehr kann, dann falle ich tot um. Das war auch der Wunsch der meisten Menschen hier. Und ja, wir haben auch immer wieder mal Bitten von Schwerstkranken, die um Hilfe mit assistiertem Suizid fragen.

Wie verändert denn diese Arbeit das eigene Bild vom Leben und vom Älterwerden?

Michaela Willert   Das Leben ist nichts für Feiglinge. Das Alter schon gar nicht. In den Ruhestand gehen fällt mir schon schwer. Das Schönste hier war: Das Miteinanderleben. Mir ist wichtig, in meinem inneren Album festzuhalten, was das Leben schön macht. Dankbar zu sein für das, was gelingen durfte. Mein erfüllender Beruf stand oft ganz oben! Es fühlte sich nicht immer wie Arbeit an. Vielleicht auch deshalb, weil ich die Welt ein bisschen besser machen durfte. Und nun habe ich endlich mehr Zeit für meine Familie!

Was nehmen Sie mit aus drei Jahrzehnten?

Michaela Willert  Mein Gottesbild hat sich verändert in diesen vielen Jahren. Menschen haben oft in Not Glaubensfestigkeit gewonnen. Dieses Gottvertrauen hat sich auch in mir gefestigt. So als hätten mir die Menschen hier etwas von ihrer Frömmigkeit abgegeben.

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Altenheim-Seelsorge

Drei Kolleg:innen sind im pastoralen Dienst in den Einrichtungen des Diakonischen Werkes Wolfsburg gGmbH tätig - für Bewohner:innen und für Mitarbeitende.

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