Abrahamforum feiert Gründungsjubiläum
Elf Jahre sind Grund genug, zu feiern, meint die Wolfsburger interreligiöse Interessengemeinschaft Abrahamforum und luden Vertreter:innen aus christlichen Kirchen, Judentum und Islam in das Islamische Kulturzentrum in Wolfsburg ein. „Das ist ein wichtiger Moment heute, mehr als ein Zusammenkommen von Religionsgemeinschaften. Es ist eine Haltung, die wir in Wolfsburg vertreten“, begrüßte als erster geladener Redner der Wolfsburger Oberbürgermeister Dennis Weilmann die Teilnehmenden.
Gegründet in einer Zeit, in der auch nach Wolfsburg viele Flüchtlinge kamen, sei das Abrahamforum nicht nur für damalige Herausforderungen sondern auch in der Zukunft wertvoll für die Wolfsburger Stadtgesellschaft. „Wir sind alle Wolfsburger, egal welcher Religionsgemeinschaft wir angehören! Respekt, Toleranz und Verständnis füreinander, das braucht unsere Stadtgesellschaft zukünftig vielleicht noch intensiver als bisher!“, betonte Weilmann und bedankte sich ausdrücklich auch bei seinem Amtsvorgänger Klaus Mohrs, der die Gründungsidee des interreligiösen Forums persönlich unterstützt hatte.
Intensive Gespräche und ein Vortrag der Juristin, Religionswissenschaftlerin und promovierten islamischen Theologin Hamideh Mohagheghi prägten die Veranstaltung. „Ich möchte ihnen Mut machen, geben sie nicht auf!“, ermutigte Mohaghegi, Initiatorin des Hauses der Religionen in Hannover. Das Haus der Religionen ist ein Vorzeigeprojekt, das neun Glaubensgemeinschaften unter einem Dach vereint. Eröffnet wurde der Ort für interreligiöse Begegnungen im November 2021 durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, er ist seitdem außerschulischer Lernort für Kinder und Jugendliche sowie Fortbildungszentrum für Fachkräfte in Pädagogik, Sozialarbeit und Gesundheitswesen. Mitfinanziert wird es von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, dem Katholischen Bistum Hildesheim, der Landeshauptstadt Hannover und dem Land Niedersachsen.
„Dialog darf nicht Monolog sein!“, warnt Mohaghedhi. Es gehe nicht darum, Religionen gegeneinander auszuspielen, keine sei richtiger als die andere. „Hören Sie einander zu, werten Sie die anderen nicht ab, gehen Sie sorgfältig mit dem um, was Sie selbst sagen.“ Um das einander Zuhören ging es dann in kleineren Gruppen bei Tischgesprächen. „Heute erlebe ich keine Diskriminierung mehr als Muslim. Das war in meiner Jugend noch anders“, erzählt ein Wolfsburger Arzt und gebürtiger Libanese. Ein junger Familienvater, der vor 13 Jahren aus Palästina nach Deutschland kam, lebt Tür an Tür mit einer israelischen Familie. „Mein Nachbar ist mein bester Freund.“
„Die religiöse Vielfalt ist in Wolfsburg sehr groß, aber oft nicht sichtbar“, erlebt der Vorsfelder Propst Ulrich Lincoln. „Wir brauchen den religiösen Dialog in unserer Stadtgesellschaft – für Frieden und für Demokratie!“ Das bestätigt Religionswissenschaftler Moghagidi: „Man muss miteinander reden, wenn man miteinander leben will. Wir brauchen als Gesellschaft diese Form der Kommunikation!“ Möge das vorurteilsfreie, zuhörende, nicht wertende Gespräch auch künftig nicht nur im Abrahamforum sondern in der ganzen Wolfsburger Stadtgesellschaft gelebt und ausgebaut werden – so der einhellige Wunsch aller, die der Einladung der interreligiösen Interessengemeinschaft gefolgt waren.