Gemeinsam tun verbindet

Nachricht 12. Mai 2026
Foto: KK-Öffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit
Buntes Pflanzteam: Super Stimmung trotz Regenwetter

Kartoffeln, Kräuter & Co halten Einzug auf den FamilienAcker

Alles, was jetzt den Frost schon aushält, wächst seit ein paar Tagen auf dem Gemeinschaftsacker der Familienoase, einem Kooperationsprojekt von Evangelischer Familienbildungsstätte, Lukaskirchengemeinde und der Wolfsburger NEULAND Stiftung. Eine bunte Sortenvielfalt will nicht nur pflanzliche Gemeinschaft stiften: „Gemeinsames Tun verbindet. Egal, woher die Menschen kommen“, freut sich Eva Grote-Girmendonk, Mitarbeiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte Wolfsburg.

Nach Monaten der Vorbereitung geht es nun endlich los. Die Stimmung ist trotz Regenwetter super, alle wuseln durcheinander, fragen, wo sie helfen können, hacken, graben, ziehen Pflanzfurchen, helfen den Kindern, die auch mit anfassen. „Es soll ein Ort werden, an dem sich Menschen aus dem ganzen Stadtteil wohlfühlen, gemeinsam etwas erschaffen oder einfach nur eine gute Zeit verbringen. “

Foto: KK-Öffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit
Hand in Hand arbeiten

Knapp 30 Menschen sind zur ersten Pflanzung gekommen, jung und alt, Männer und Frauen, unterschiedlichste Nationalitäten. Mittendrin Annekathrin Plate, Landwirtin mit eigenem Ackerbaubetrieb und Ernährungswissenschaftlerin. Die 40-Jährige ist hier Ackercoachin, für den Berliner gemeinnützigen Verein Acker e.V. unterstützt sie das Team vor Ort dabei, Wandel zu säen im Ackerprojekt auf dem Gelände der Kreuzkirche. Salat, Fenchel, Mangold, Kohlrabi und Kartoffeln – alles ist dabei, wird so miteinander kombiniert, dass die Pflanzen sich gegenseitig fördern in ihrem Wachstum. 

Für drei Jahre wird die Unterstützung durch Acker e.V. von der Wolfsburger NEULAND Stiftung gefördert. „Das Projekt ist ideal für das, wofür die NEULAND Stiftung steht, nämlich integrative und generationsübergreifende Arbeit“, sagt Stiftungsmanagerin Lara Saba. Die gebürtige Wolfsburgerin hatte bisher nicht viel Gartenwissen. „Mein Daumen wird hier mit jeder Aktion grüner, ich lerne sehr viel bei dieser Arbeit und es macht mir richtig Spaß.“ Gemeinsam handeln und gemeinsam lernen können hier alle. Ganat lebt mit ihren drei Töchtern und ihrem Mann seit 12 Jahren in Wolfsburg. Heute hilft die Familie, die aus Eritrea stammt, bei der Pflanzaktion. „Ich kenne das alles. Und ich möchte, dass auch meine Kinder das kennenlernen, was ich in meiner Heimat gelernt habe. Deswegen bin ich hier“, sagt die 37-Jährige.

Foto: KK-Öffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit
So geht's am besten: Gemeinsam.

Selbst Birgit Neubohn, promovierte Biologin und Kirchenvorsteherin der Lukasgemeinde, profitiert hier noch. „Was hier wie kombiniert wird, finde ich sehr interessant. Ich gucke mir neugierig ab, was sich bei Acker e.V. bewährt hat.“ Wichtig ist ihr dabei nicht nur eine reiche Ernte. „Dass wir miteinander ins Gespräch, gemeinschaftlich ins Handeln kommen und dann auch ernten, kochen und gemeinsam essen, darauf freue ich mich.“ Die Naturfachfrau wünscht sich eine vielfältige Gemeinschaft, die nachwächst und auch das kirchengemeindliche Leben bereichert. „Uns geht es ja ums Leben. Um das Zusammenleben.“

Nationen- und Generationen verbindend wirken will und wird die Sortenvielfalt auf dem Laagberg-Acker. Mit dabei: die gute alte Linda. „Diese Kartoffelsorte findet man heute ja nur ganz selten noch“, freut sich Landwirtin und Ackercoachin Plate. Der Vorteil alter Sorten: Sie sind genügsam. Auf dem Gemeinschaftsacker wird ressourcenschonend gearbeitet: Wenig Wasser, kein mineralischer Dünger, Mulchschicht aus dem, was vor Ort zu finden ist. „Wir setzen Pflanzlöcher, die einmal mit Wasser gefüllt werden. Die Pflanzen werden erst eingesetzt, wenn das Wasser abgesickert ist.“ Dass so Pflanzen quasi trainiert werden, ihre Wurzeln von Anfang an nach unten zu richten und sich Wasser aus der Tiefe zu holen, ist altes Wissen. 

Foto: KK-Öffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit
Zur Arbeit gehört: Mal Pause machen. v.li.n.re.: Birgit Neubohn (Lukasgemeinde), Nele Marahens (NEULAND Stiftung), Daniel (Acker e.V.), Martha Pordzik und Eva Grote-Girmendonk (Evangelische Familienbildungsstätte Wolfsburg)

Basiswissen zu vermitteln ist auch eine Intention des Projektes. Das betrifft neben dem Pflanzenanbau auch die Verarbeitung. „Viele wissen vielleicht noch: Das ist eine Möhre. Aber wie kann ich eine Möhre zubereiten und das noch so, dass die geschmacklich unterschiedlich gestaltet wird?“ Und so gehört neben Gärtnerwissen und Gemeinschaftsbildung auch Ernährungsbildung auf den Stundenplan des Ackerprojektes. Mit regelmäßig stattfindenden Ackersprechstunden übrigens. Geerntet, gekocht und gegessen wird dann auch gemeinsam, so der Plan. 

Text und Fotos: KK-Öffentlichkeitsarbeit / Frauke Josuweit

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AckerSprechstunde

In regelmäßigen Abständen kommen die Ackercoaches, um das Projekt vor Ort zu begleiten. "Wir zeigen, wann welche Arbeiten dran sind, gucken, wie sich die Pflanzen entwickeln, was die vielleicht aktuell noch brauchen, gucken nach Beikräutern, auch Unkraut genannt", sagt Annkatrin Plate. 

Und so geht es weiter
21. Mai 2026 / Ackersprechstunde 
11. Juni 2026 / 2. Pflanzung
18. Juni 2026 / Ackerpflege

Nachbarschaftsprojekt am Laagberg

Die Lukaskirchengemeinde hat auf ihrem Grundstück an der Kreuzkirche auf dem Wolfsburger Laagberg die Pforten aufgemacht. Das kirchliches Nachbarschaftsprojekt FamilienOase entsteht im Rahmen des Konzeptes Familienorientierte Kirche.

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Familienorientierte Kirche

Als lebensdienliches Netzwerk für Familien möchte sich die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers entwickeln. Der Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen ist als Pilot-Kirchenkreis für zwei Jahre dabei. 

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Engagiert für bessere Lebensbedingungen

Die Wolfsburger NEULAND Stiftung fördert das soziale Miteinander, Dialoge von jung und alt und die Teilhabe sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen – für bessere Lebenssituationen in den Quartieren der Stadt.

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Natur und Lebensmittel wertschätzen

Acker e.V. arbeitet für eine nachhaltigere Welt. Der Berliner Verein will mit seinen Angeboten erfahrbar machen, wie viel Arbeit und wie viel Freude in frischem Gemüse stecken. Denn dass in Deutschland jährlich etwa 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden, hat mit Wertschätzung wenig zu tun. Acker e.V. träumt von einer Gesellschaft, die Natur und Lebensmittel (wieder) wertschätzt. Und von einer Gesellschaft, die weiß, was sie isst.

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