Ein Haus für alle

Nachricht 28. April 2026
Foto: KK-Öffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit

Doerphus Groß Oesingen ist fertig

Draußen stehen noch die Bagger, aber drinnen ist alles fertig. „Es ist so weit: Wir können rein!“, jubelt am Sonntag Jubilate keineswegs nur der Groß Oesinger Pastor Karsten Heitkamp. Auch Tochter Lisa feiert den Jubeltag mit und besteht darauf, nach dem Gottesdienst standesgemäß vorm Doerphus vorzufahren. Und zwar mit ihrem Trecker, grün ist der, vermutlich ein Fendt-Sondermodell. Das, woran viele Engagierte und Überzeugte fünf Jahre lang mit unermesslichem Einsatz gearbeitet haben, ist nun gemauerte Realität. Begehbar. Benutzbar. Belebbar. Das Doerphus kann in Besitz genommen werden. An Jubilate zunächst von der Kirchengemeinde, nächste Woche ist es dann ganz offiziell: Das Doerphus wird ein Haus für alle. Für’s Dorf, für die Vereine, die Feuerwehr, die kommunale Gemeinde, für die Chöre und alle, die Musik machen in der Kirchengemeinde, für Veranstaltungen aller Art und aller Generationen.

Foto: KK-Öffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit
Kirchenvorsteher Hermann Prietzsch begrüßt alle Besucher:innen, die an Jubilate zur Einweihung des Doerphus in die Oesinger Friedenskirche gekommen sind.

„Einen langen Anlauf haben wir genommen“, erinnert Heitkamp die anwesende Gottesdienstgemeinde an die Genese des Doerphus. Die Kindergartengruppe, die zunächst vorübergehend im alten Gemeindehaus unterschlüpfte, sei nunmehr seit zehn Jahren dort beheimatet. Ein Glücksfall für die Friedenkirchengemeinde, wie sich im Lauf der Jahre herausstellen sollte. Denn das war die Grundlage für das, was jetzt zwischen Kirche und bisherigem Gemeindehaus steht. „Wir haben uns gemeinsam auf den Weg gemacht, die Kirchengemeinde und die Samtgemeinde. Das war erst ungewohnt, aber siehe: Es wurde sehr gut.“ Das bisherige Gemeindehaus gehört nun der Samtgemeinde Wesendorf, die dort ihre Kita-Arbeit ausbauen wird. Und gemeinsam mit Kirche gehört ihr das Doerphus und gemeinsam soll das auch genutzt und belebt werden.

„Es ist nicht nur unsere gute Stube, sie gehört auch anderen. Aber wir verleugnen unseren Bauherrn nicht, unser Auftrag bleibt: Gott ins Spiel bringen.“   Karsten Heitkamp, Pastor im Westen des Isenhagener Landes

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Kirchenvorsteher Friedhelm Albs ist nicht nur bausachkundig, sondern auch bibelfest.

„Ich bin einfach erleichtert, dass das alles so gut geklappt hat. Und in zehn Tagen bin hier erstmal mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden drin.“ Karsten Heitkamp ist 20 Jahre in Groß Oesingen. Als er dort ankam, wurde ihm das Gemeindehaus mit Stolz präsentiert, hatten doch viele dort immer wieder selbst mit angepackt, wenn renoviert oder repariert werden musste. „Schön ist das nicht, dachte ich mir damals“, erinnert sich Heitkamp, der heute sagt, er müsse sich an das neue Doerphus erst noch gewöhnen. Das wird auch anderen so gehen, vermutet er und dennoch: „Wir werden uns schnell daran gewöhnen. Aber: Es ist nicht nur unsere gute Stube, sie gehört auch anderen.“ 

Deutschlandweit gehen die Kirchengliederzahlen zurück, in der Großstadt wie auf dem Dorf. „Der Ausnahmefleck bei uns im Kirchenkreis ist Groß Oesingen. Hier bleiben die Mitgliederzahlen relativ stabil“, berichtet Superintendent Christian Berndt. „Das Haus, das bewusst kleiner gebaut ist, ist größer gedacht. Es ist nicht nur für Kirche, es ist ein Haus für alle!“ Ein Ort, an dem Glauben wachsen könne, Begegnung ermöglicht werden nicht nur zwischen Gott und den Menschen, sondern auch zwischen Menschen im Sozialraum. 

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Kein Hexenwerk!?

Rohbau, Verblendarbeiten – „Das ist’n Klacks, das wird da fest gemacht und dann ist gut.“ – Dachaufbau – „Wichtig ist, dass kein Wasser reinkommt. Da steht nix im Weg. Der Dachstuhl liegt da nur kurz und dann isser wieder weg.“ Heinz Joachim Martens ist Architekt für das Doerphus und in der wöchentlichen Baubesprechnung mit Vollgas unterwegs. Anders wäre so ein Projekt vermutlich auch nicht zu stemmen. 

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Foto: KK-Öffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit
Anstoßen mit dem Superintendenten: Margitta Prietzsch hat mit den Oesinger Bezirksfrauen alles vorbereitet für den Empfang der Kirchengemeinde im neuen Gemeindehaus.

Wer sich den Doerphus-Belegungsplan anschaut, sieht schnell, dass manches schon geplant und eingetragen ist, was zur Samtgemeinde, zu Vereinen oder auch zu Privatpersonen gehört: Tagung des Samtgemeindeausschusses, Partnergemeinden aus Frankreich, Landfrauentreffen, Bürgerpicknick, Lenkungsausschuss, Mitgliederversammlung, Einschulung. Und: Geburtstag Hermann. Vielleicht der von Hermann Prietzsch? 

„Mir geht es hier heute richtig gut!“, strahlt Kirchenvorsteher Prietzsch. Gemeinsam mit Friedhelm Albs hat Prietzsch das Kind Doerphus geschaukelt, von A bis Z sozusagen. Es ist wohl nicht zu viel gesagt, dass es ohne die beiden das Doerphus nicht vermutlich nicht gäbe. Nur Z fehlt noch. Z für zusätzliches Sahnehäubchen. „Ich träume von einer Piazza Ecclesia“, sagte Prietzsch noch vor acht Monaten, als der Rohbau stand. Einem Platz vor der Kirche, wo Gottesdienste, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen möglich wären. Zurzeit liegt da noch der Drainagekies und stehen dort noch die letzten Bagger. Um ein Gefühl für das zu bekommen, was da möglich werden wird, musiziert  steht dort nach dem Gottesdienst bei schönstem Wetter der Bläserchor schon ein erstes Mal Bis zu den Sommergottesdienstes dürfte die Piazza fertig sein. 

Foto: KK-Öffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit
Kaum vorstellbar: Nur acht Monate liegen zwischen diesen beiden Szenen. Der Ort ist derselbe, nämlich die Feuerschutztür im Doerphus. Rechtes Foto v.li.n.re.: Friedhelm Albs, Hermann Prietzsch, Superintendent Christian Berndt, hinten: Pastor Karsten Heitkamp.

Drinnen fehlen nur noch Kleinigkeiten. „Wir haben vergangene Woche für 160 Personen Geschirr, Besteck, Sektgläser, Weingläser und Kaffeetassen abgewaschen und einsortiert. Und dann haben wir hier gemeinsam Kaffee getrunken.“ Margitta Prietzsch engagiert sich nicht nur im Besuchsdienst der Gemeinde, sie wirbelt auch im neuen Doerphus rum. Wie gut, dass schon alles Geschirr eingeräumt worden ist, so finden sich die Frauen, die an Jubilate die Besuchenden bewirten, gleich zurecht. Total schön sei das lichtdurchflutete neue Haus, das Ausblicke nach allen vier Himmelsrichtungen bietet, findet auch Petra Hahn, Kirchenvorsteherin im benachbarten Steinhorst. „Es ist toll geworden, ich freue mich für die Oesinger!“ Auch Steinhorst hat ein relativ junges Gemeindehaus und öffnet es in den Sozialraum hinein. „Die Grundschule nebenan nutzt es jetzt mittags als Mensa. Diese Öffnung kommt uns allen zugute.“

Text und Fotos: KK-Öffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit

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