„Das ist Teil unserer Heimat“

Nachricht 10. Juni 2026
Foto: Kirchenkreisöffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit
Friedhofsübergabe in großer Runde: (v. li.) stv. Ortsbürgermeisterin Roswitha Luck, Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide, Stefanie Jäger-Wilke (Stadt Wolfsburg, Leiterin Fachbereich Grün), Kirchenvorsteherin Katharina Weber, Oberbürgermeister Dennis Weilmann, Superintendent Christian Berndt, Ortsbürgermeisterin Silke Hitschfeld, Bernd Werthmann (Leiter Fachbereich Friedhofsverwaltung der Stadt Wolfsburg), Kirchenvorsteher Oliver Hennicke, Pastorin Friederike Böhm

Stadt Wolfsburg übernimmt Friedhof Neindorf

Es war der letzte seiner Art im Stadtgebiet Wolfsburgs: der selbstverwaltete evangelische Dorffriedhof in Neindorf. Zum 1. Juni 2026 hat die Kirchengemeinde Neindorf-Almke ihren Gottesacker mit etwa 480 Gräbern an die Stadtverwaltung abgegeben.

„Mein besonderer Dank gilt dem Kirchenvorstand Neindorf-Almke und vor allen anderen Katharina Weber. Gemeinsam haben Sie diesen Friedhof wirtschaftlich solide geführt. Wir sind aber auch dankbar, dass die Stadt Wolfsburg den Betrieb fortführt“, sagte Superintendent Christian Berndt bei der offiziellen Übergabe unter der eigens dafür gepflanzten Blumenesche. Übergeben wurde der Friedhof mitsamt der zugehörigen Rücklage. „Das ist der bestgepflegte Friedhof, den wir übernehmen – mit einer sehr schönen Anlage und einer ebenso schönen Kapelle“, stellte Bernd Werthmann, Leiter der Friedhofsverwaltung der Stadt Wolfsburg, fest.

Foto: Kirchenkreisöffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit
Nun ist es amtlich: Katharina Weber und Dennis Weilmann unterschreiben die Verträge.

Mehr Wehmut als Erleichterung löst dieser Schritt bei Katharina Weber, Kirchenvorsteherin in Neindorf-Almke aus, die 14 Jahre den Friedhof verwaltet hat. „Das glaube ich gern, man sieht ja, dass Sie das mit Liebe gemacht haben“, bedankte sich Oberbürgermeister Dennis Weilmann. Es sei den Menschen in den Dörfern wichtig, dass Friedhöfe erhalten blieben. „Es sind Orte von Gemeinschaft, nicht nur Orte der Erinnerung.“ Er begrüße es, dass der Ortsrat Neindorf-Almke und der Stadtrat Wolfsburg nach intensiver Diskussion dem Zuständigkeitswechsel von der Kirche zur Kommune zugestimmt habe. „Wir werden den Friedhof im Sinne der Menschen vor Ort weiterführen.“ Es ist der dritte Friedhof in Neindorf mit knapp seinen 1.400 Einwohnenden. Den ersten gab es direkt an der Kirche, der zweite war noch innerorts gelegen und der dritte ab 1890 außerorts, am Almker Totenweg, ehemals Osterberg genannt.

Bereits im Jahr 2012 stand die Überlegung im Raum, den Friedhof an die Stadt abzugeben. Damals entschied das Dorf gemeinsam: Der Friedhof bleibt bei der Kirche. In den Jahren zuvor hatte das Kirchenkreisamt die Ruhestätte verwaltet, dann fusionierten die Kirchenkreise Wolfsburg und Wittingen und auch die Kirchenkreisämter und sollte die Friedhofsverwaltung nicht vom Kirchenamt Gifhorn nicht weitergeführt werden. Da nun gemäß Dorfbeschluss der Friedhof aber bei der Kirche bleiben sollte, übernahm mit geringfügiger Beschäftigung im Nebenjob Katharina Weber die Friedhofsverwaltung, zunächst unterstützt von Monika Jahr und später Gabi Pitz. Um die zehn ehrenamtliche Gärtner:innen engagierten sich zusätzlich. „Wir wollten unseren Garten Gottes zu einer Parkanlage machen. Ich war in der Gruppe die Jüngste“, erinnert sich die 60-Jährige Kirchenvorsteherin Katharina Weber. 

Friedhöfe sind als Begegnungsräume Teil der sozialen Infrastruktur, die erhalten bleiben muss.

Stefanie Jäger-Wilke, Leiterin Fachbereich Grün der Stadt Wolfsburg

Im Schnitt zehn Beerdigungen im Jahr, das hört sich nicht viel an, ist aber mit wenigen Stunden im Monat nicht zu schaffen, denn alle Absprachen mit Bestattern und Hinterbliebenen, das Putzen der Kapelle, die Mülltonnen rausstellen, Standsicherheitskontrolle der Grabsteine, Baumkontrolle, Gebäudekontrolle, Bescheide ausstellen und verschicken und vieles mehr gehören zu den Aufgaben der Friedhofsverwaltung. Seit 2022 erledigte Katharina Weber das allein, Anfang 2024 konnte sie aufgrund familiärer Belastungen nicht mehr wie gewohnt weitermachen.

Trotz intensivster Bemühungen fand sich niemand, der oder die diese Arbeit auf geringfügiger Basis übernehmen wollte. Also machte Katharina Weber mit Unterstützung ihrer Kirchenvorstandskolleg:innen Käte Böttcher und Oliver Hennicke ehrenamtlich weiter, hatte das Friedhofstelefon auf ihr privates Handy umgeleitet, damit sie erreichbar war, auch als sie ihre eigene Schwester im Hospiz begleitete. Denn sonst hätte der Friedhof bis zur Übernahme durch die Stadt Wolfsburg, über die bereits verhandelt wurde, geschlossen werden müssen. 

Wir dürfen keine Kirchensteuermittel in unsere Friedhöfe geben. Ich bin dankbar für jeden Friedhof, den wir als Kirche noch selbst bewirtschaften können.

Superintendent Christian Berndt
Foto: Kirchenkreisöffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit
Auch immer wichtig: Gespräche am Rande

„Es ist doch mein Friedhof. Das ist Teil unserer Heimat. Wenn ich jetzt noch Kraft hätte, würde der Friedhof nicht weggeben.“ Katharina Weber hat den Friedhof nicht nur gepflegt und verwaltet, sie hat ihn auch maßgeblich mitgestaltet. Der kleine Waldfriedhof , die Ecke unter den Bäumen, wo Urnen und einfach ein schlichter Feldstein zur Erinnerung Platz finden, ist eine Idee der Kirchenvorsteherin. „Mein großer Wunsch war eigentlich noch eine Grabstelle für Sternenkinder. Aber das habe ich nicht geschafft.“ Bleibt zu hoffen, dass das andere umsetzen werden. Zugesagt hat der Oberbürgermeister, den Friedhof im Sinne der Neindorferinnen und Neindorfer weiterzuführen. 

Ich sehe die Gefahr, dass Bestattungen zu sehr kommerzialisiert werden.

Dennis Weilmann, Wolfsburger Oberbürgermeister

Wer aber geht zu den Beerdigungen, wo es keine Angehörigen mehr gibt? „Einfach so still und leise. Zack, nur Pastor und weg.“ Katharina Weber ist zu diesen Beerdigungen, zu denen niemand kam, hingegangen. Mindestens einer sollte da sein. 

Text und Fotos: Kirchenkreisöffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit

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