„Ich bin froh, dass er ‚Ja‘ gesagt hat“

Nachricht 29. Juni 2026
Foto: KK-Öffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit

Hochzeitsevent: Feststimmung in Hankensbüttel und Fallersleben

12 kirchliche Trauungen , 20 Segnungen und Temperaturen von über 35 Grad im Schatten – einfachheiraten hat als heißeste Hochzeit des Jahres alle erwarteten Rekorde geschlagen. „Der Segen einer kirchlichen Trauung hängt nicht daran, wie pompös die Feier ist. Mir gefällt, dass wir hier nicht das ganz große Brimborium machen“, sagt Ann-Karin Wehling, Pastorin in der Region Südwest des Kirchenkreises und Mitinitiatorin von einfachheiraten in Fallersleben.

Dort konnten Paare wählen zwischen der Michaelis-Kirche und dem Schlosspark, in Hankensbüttel wurde auf der Naturerlebnisbrücke getraut und vor dem Otterzentrum gesegnet. „Gott ist nicht nur in irgendeinem Kirchengebäude. Der Wert einer Trauung ist nicht geringer außerhalb der Kirche“, ist sich Theologin Wehling sicher.

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Nina und Janes Zenk nach der Trauung auf der Seebrücke vor dem Otterzentrum in Hankensbüttel

„Diesmal ist die Hochzeit für uns“

„Ich habe es in der Zeitung gesehen: Unsere Ortspastorin auf der Brücke vorm Otterzentrum. Was macht sie da, habe ich mich gefragt.“ Nina Zenk fand die Idee toll, dort kirchlich getraut zu werden. Denn die 42-Jährige ist nicht nur am liebsten draußen, sie ist als Jägerin sehr naturverbunden. Früh morgens im Wald am Dorfrand entsteht vor sieben Jahren mit Fernauslöser ihr Hochzeitsfoto – das offizielle mit Familie wird dann im Trubel rund um die standesamtliche Trauung schlicht vergessen. „Es wird diesmal eher so unsere eigene Hochzeit, nicht für die anderen.“ Also ohne Anstrengung, ohne Organisation. 2019 war das anders, gefeiert wurde mit großer Gesellschaft zuhause ohne gastronomische Unterstützung sondern klassisch so, wie früher zumindest auf den Dörfern Hochzeit gehalten wurde, sogar mit selbstgenähtem Brautkleid. Nur eben die Kirche fehlte. 

Mein Highlight heute: Ein Paar am 45. Hochzeitstag. Morgens haben die beiden von einfachheiraten im Deutschlandfunk gehört und darüber mit der Nachbarin beim Kirschen pflücken gesprochen. Die meinte dann: Das ist heute auch in Hankensbüttel. Vier Stunden später durfte ich die beiden trauen.“ 
Pastorin Verena Koch

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Wenn Arbeit einfach Freude macht: Pastorin Esther Staak

„Ich fühlte mich mit Segen übergossen“

„Es ist ein sehr, sehr schöner Anlass, mal eben sieben oder acht Hochzeiten zu feiern“, begeistert sich Esther Staak, Pastorin in Brome und Tülau. Gemeinsam mit Pastor Patrick Haase, und den Pastorinnen Verena Koch und Heike Burkert zeichnet sie verantwortlich für die Aktion am Otterzentrum Hankensbüttel. „Ich freue mich, dass wir diesen Rahmen zur Verfügung stellen. Was gibt es Schöneres, als zwei sich liebenden Menschen den Segen Gottes mitgeben zu dürfen.“ Gut beieinander zu bleiben, auch wenn die gemeinsamen Zeiten mal nicht nur rosig sind, dazu gebe der Segen Gottes Paaren Kraft. „Ich öffne Gott und dem Paar die Tür, verfügen kann ich das Wirken Gottes als Pastorin nicht.“

Die Erinnerung an die eigene Hochzeit vor zehn Jahren ist Esther Staak noch sehr präsent. „Ein schönes Fest mit Familie und Freunden. MIt Worten schwer zu beschreiben. Ich fühlte mich mit Segen übergossen, wie eine Blume mit Wasser.“ Nicht nur aufregend, auch bestärkend sei das gewesen. „Man steht als Paar nicht allein da. Da ist die Zusage, dass Gott bei mir und meinem Partner ist.“ 

Ich bin ja nicht so nah am Wasser gebaut, aber ich hätte heute oft vor Rührung gleich so mitheulen können. Spontantrauungen werden mein nächstes Hobby.“
Pastorin Heike Burkert

Foto: Sebastian Wendt
Dagmar Schaumburg und Dirk Thiele geben sich nach 33 Jahren erneut das Ja-Wort (Foto: Sebastian Wendt)

„Es kribbelt im Bauch“

Freitagnachmittag kurz nach zwei in Fallersleben. Es kommt ein Paar mit Fahrradhelmen und eBikes. Heiraten? Nichts für Dagmar Schaumburg! „Ich fand heiraten spießig. Und merkte dann: Dirk ist nicht nur als Freund und Liebhaber gut, der hat jetzt zwei Jahre mit mir die Kinder großgezogen, der taugt auch als Mann.“ Sie sagt ja und heult wie ein Schlosshund bei der standesamtlichen Trauung.

33 Ehe-Jahre haben Dirk Thiele und Dagmar Schaumburg bereits hinter sich, als sie sonntags in ihren Ohrensesseln Zeitung lesen. „Und ich sage zu meinem Mann: Sag‘ mal, würdest Du mich heiraten? Da ist ein ganz cooler Ort zum Heiraten.“ „Wir sind verheiratet“, sagt Dirk Thiele. „Würdest Du mich denn heiraten?“ „Dagmar, wir sind doch verheiratet!“ Aber eben noch nicht kirchlich. Also nach 33 Jahren noch einmal: JA? JA! „Es kribbelt im Bauch“, gesteht Dirk Thiele. Und das schon drei Stunden vor der Trauung in der Michaeliskirche.

Foto: privat
So geht's auch: Segnung für Motorradliebhaberin (Foto: privat)

Segnungen nicht nur für Paare

Familiensegen für drei Generationen unter blühenden Linden oder zu zweit auf dem Oldtimer-Motorrad mit Beiwagen – Menschen, die kommen, sich segnen zu lassen und erfüllt wieder gehen. Auch das ist Teil von einfachheiraten. „Viele, die sich segnen lassen, sind lange aus der Kirche ausgetreten“, erlebt Lektorin Imke Banse, die sich im Segensteam in Hankensbüttel engagiert. „Man öffnet jede Pore, wenn man sich segnen lässt.“ Segen, das ist der Zuspruch Gottes – über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Intuition der Engel Gottes auf Erden, der Menschen, die andere segnen, spielt dabei eine wichtige Rolle.

„Ich habe heute einen kleinen Jungen gesegnet und habe gesagt: ‚Gott ist wie ein Hauch‘ und habe dabei etwas gepustet“, erzählt Cornelia Renders, Äbtissin des Klosters Isenhagen. „Hinterher habe ich erfahren, dass dieses Kind beinahe am Kindstod gestorben wäre, weil es aufgehört hatte, zu atmen.“ 

Wird Janes Ja sagen?

Eins, zwei, drei, vier Kinder gehören zu Nina und Janes Zenk. Zwei große und zwei kleine. „Die beiden Teenager finden das toll, dass wir das machen“, freuen sich Zenks. „Ich habe meinem Mann eine Karte geschrieben und ihn gefragt, ob er mich noch einmal heiraten würde“, erzählt Nina. In den Anfängen der Beziehung hatte sie hingegen klargestellt, sie würde ihm keinen Antrag machen. Wird Janes zustimmen? „Das weiß man ja nicht. Ich war ziemlich nervös.“ „Das war überraschend und sehr toll, dass sie mir jetzt doch einen Antrag gemacht hat nach all den Jahren“, strahlt Janes Zenk. Auch wenn er als Feuerwehrmann auf der Brücke über den Isenhagener See nicht mit seiner Braut in den Drehleiterkorb eines Feuerwehrwagen steigen kann. „Das passt auf dem See schon optimal für uns, viel besser als in der Kirche.“

Bei Trauungen außerhalb von Kirchen muss es nicht zwingend der Talar sein, finden Heike Burkert und Verena Koch. Pastorinnen im schwarzen Kleid mit Sonnenhut oder schwarzem Rock und Kollarhemd sind völlig comme il faut. Der Ort ist das Besondere. Der Ort war es auch, der Irina Wittmaier handeln ließ. Fast 35 Jahre ist sie mit Hannes verheiratet – standesamtlich. Vier Kinder und sieben Enkelkinder gehören zum Ehepaar Wittmaier, der jüngste gerade ein paar Wochen alt. Alle sind dabei, als sich Irina und Johannes zum zweiten Mal das Ja-Wort geben. 

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Statt Konfetti: Dusche für das Brautpaar Wittmaier

„Ich habe ihm den Antrag gemacht“

„Mein Wunsch war immer, dass wir noch einmal kirchlich heiraten. Weil ich das so wichtig finde. Weil wir so gesegnet sind mit Kindern und Enkelkindern.“ Hannes Wittmaier wollte nur standesamtlich heiraten, weil er nicht gern im Mittelpunkt steht. „Ich habe damals verzichtet, weil ich ihn so geliebt habe. Und jetzt habe ich ihm einen Antrag gemacht. Ich habe gesagt: Hannes, Du kannst in Jogginghose und Shirt kommen, das ist mir egal.“ In Hankensbüttel, dem Ort, an dem Bräutigam Wittmaier aufwuchs, haben die siebenfachen Großeltern ein zweites Mal Ja zueinander gesagt – im Beisein des Trauzeugen von 1992. „Ich bin froh, dass er Ja gesagt hat.“  

‚All you need is love‘ ...

...war einer der Hits bei einfachheiraten. Vier tolle, hochkarätige Musiker:innen haben die Veranstaltungen in Fallersleben und Hankensbüttel nicht nur mit klassischer und kirchlicher Hochzeitsmusik zu etwas ganz Besonderem gemacht: Irina Binder, Lorrie Berndt, Roger Burmeister und Michael Jandek. 

Foto: KK-Öffentlichkeitsarbeit/F. Josuweit
Wenn auch nicht das ganz große Brimborium, ein paar Seifenblasen müssen schon sein.

Sommerlich und zwanglos

Dass hinter den Kulissen von einfachheiraten alles minutiös durchgetaktet ist und viele ehrenamtlich Helfende still und kaum sichtbar das alles überhaupt möglich machen, ist für die Paare vor Ort nicht spürbar. An beiden Orten – in Fallersleben und am Otterzentrum liegt feierliche Stimmung und ganz viel Leichtigkeit in der Luft. Es wirkt wie ein ausgedehntes, zwangloses, nicht enden wollendes Familienfest. Mit Menschen, die sich mögen. Die gern miteinander sind.

Sommerliche Unbeschwerheit, Kinderlachen, entspanntes Geplauder – all das kann genießen, wer bei einfachheiraten zu Gast ist. „Es läuft super, es macht einfach ganz viel Spaß, die Stimmung ist total toll. Ich möchte das gern wiederholen!“, freut sich Esther Staak über einen rundum gelungenen Tag voller Hochzeiten. 

... Menschen - Themen - Orte

Wer war dabei?

In Fallersleben haben die Pastor:innen Friederike Böhm, Larissa Anne Mühring,Ann-Karin Wehling und Stephan Eimterbäumer Paare getraut, in Hankensbüttel waren es Heike Burkert, Florian Herterich, Verena Koch und Esther Staak.

Zum Segensteam in Hankensbüttel gehörten Imke Banse, Astrid Geisler-Nieswandt, Cornelia Renders und Heidrun Schäfer.