Wittinger Sozialarbeiterin Marja Kuhl im Gespräch
Deutschlands Politiker:innen wollen Sozialleistungen kürzen, der Ruf nach weniger Staat ist allerorten vernehmbar. Weshalb Unterstützung für Menschen in besonderen Lebenslagen aber gerade jetzt wichtig ist und bleibt, erzählt Marja Kuhl, Sozialarbeiterin des Kirchenkreis im Raum Wittingen.
Frau Kuhl, sechs Monate Kirchenkreissozialarbeit in der Region Wittingen – was brauchen die Menschen hier von uns?
MARJA KUHL Sie brauchen Ansprechpartnern vor Ort, mit denen sie erstmal ihre Probleme sortieren können. Sie brauchen jemanden, der ihnen Zugang verschafft zu Leistungen, zu anderen Behörden, zu weiterführenden Ansprechpartnern. Ich bin hier die erste Anlaufstelle und die Bandbreite der Themen, die Menschen zur mir bringen, ist riesengroß. Mal geht es darum, an andere Stellen zu verweisen, wie beispielsweise an die Diakoniestation, um Pflegegeld zu beantragen.
Mir begegnet viel Einsamkeit. Menschen kommen aber auch mit Antragsformularen, die sie nicht verstehen, wenn der Wohnraum bedroht ist, mit Suchtproblematiken oder mit Geldnöten. Es kommt schon auch vor, dass jemand mal ein paar Tage nichts mehr zu essen hatte.
Und dann...?
MARJA KUHL Ist ein Mensch wirklich in Not, haben wir beispielsweise die Möglichkeit, mit Gutscheinkarten von Aldi oder Lidl zu helfen, so dass niemand stigmatisiert wird, der oder die damit einkaufen geht. Menschen, die sehr arm sind, sind überproportional oft alleinstehend. Altersarmut spielt auch viel mit rein.
Unser Einzugsgebiet ist ziemlich groß und geht teilweise bis nach Brome, Ehra oder auch Sassenburg. Das Wittinger Stadtgebiet hatte massiven Zuzug, weil hier Wohnraum und Lebenshaltungskosten günstig sind. Nur gibt es hier oben kaum Unterstützungsangebote für Menschen mit Beratungsbedarf.