Herberge für den Glauben

Nachricht 16. September 2026
Foto: privat
September 1951: Kirchweihfest für die Wolfsburger Christuskirche (Foto: privat)

Christuskirche feiert 75jähriges Bestehen

Die erste neugebaute und geweihte Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg in der Landeskirche Hannovers ist die Wolfsburger Christuskirche. Trafen sich in der ja noch jungen Stadt die evangelischen Christinnen und Christen bis 1951 in Holzbaracken, so bot ab dem 30. September 1951 die Christuskirche nach gerade mal acht Monaten Bauzeit Raum für den Glauben, für Gottesdienste und vieles mehr. „Das 75. Kirchweihfest feiern wir am 27. September gemeinsam mit Ihnen und Landesbischof Ralf Meister“, lädt Pastor Frank Morgner nicht nur seine Gemeinde ein.

Die Christuskirche war ein Hoffnungssymbol – möglich geworden auch durch umfängliche Spenden von Wolfsburgerinnen und Wolfsburgern. „Sie gaben oft bis zu zehn Prozent ihres Einkommens. Das ist besonders bemerkenswert. Denn damals hatten viele Menschen hier in der Stadt nicht einmal richtige Wohnung, sondern lebten in Baracken oder den Kellern halbfertiger Häuser“, weiß die Kirchenführerin der Christuskirche, Antje Testa. 

Festkonzert für die Christuskirche

75 Jahre Christuskirche – ein Grund, auch musikalisch zu feiern. Die Kirchenkreiskantorei Wolfsburg  unter der Leitung von Christian Biskup lädt in Zusammenarbeit Solist:innen und weiteren Chören am 25. September 2026 um 19 Uhr zu einem Festkonzert in die Christuskirche ein.

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Architekt Gerhard Langmaack musste sich beim Bau der Christuskirche an genaue Vorgaben halten: Die Liturgie stand im Zentrum, eine repräsentative Erscheinung sollte es aber ebenso sein. Die erste evangelische Kirche in Wolfsburg ist keine Kirche von der Stange, wie viele Notkirchen aus dieser Zeit. Sie steckt voller individueller Details. Es gab kaum Baustoffe, die Glasfenster der Künsterlin Johanna Schütz-Wolff wurden erst nach der Kirchweihe eingebaut, Kunstwerke wie die Taufschale und die Türklinke des Bildhauers Helmuth Urhig folgten. Im Kruzifix wurde ein Stück Draht aus Auschwitz verarbeitet. 

Festgottesdienst

Sonntag, 27. September 2026, 16 Uhr
mit Landesbischof Ralf Meister, Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers

Im Anschluss gibt es bei einem Empfang im Haus der Kirche Gelegenheit zum Gespräch bei Essen und Trinken.

Foto: privat
1958: Eine Stadt wächst - Christuskirche und umliegende Bebauung (Foto: privat)

„Die Kirche war den Menschen auch Schutzraum“, sagt Antje Testa. Schutzraum und Ruheort nach einer 12 Jahre währenden, lebenszerstörenden, gewaltverherrlichenden, brutalen Diktatur in Deutschland. Schutzraum in einer Stadt, die ab 1938 gebaut wurde und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge für das KdF-Werk untergebracht hatte. Schutzraum in einer Stadt, die nach dem Willen der Nationalsozialisten ohne Kirchen gebaut werden sollte und nach dem Zweiten Weltkrieg Tausenden Flüchtlingen aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern und anderen Regionen Heimat und Arbeit bot. Und Schutzraum in einer Stadt, die ab den 1960er Jahren auch Arbeitsmigrant:innen Heimat wurde. 

Abseits aller Kirchen und Gebäude ist es vor allem ein Ort, an dem Glauben Raum finden soll. Und das ist das Herz der Menschen.“

Pastor Frank Morgner
Fotos: privat
Nur acht Monate Bauzeit dank vieler helfender Hände (Fotos: privat)

„Sobald eine Wohnung fertig geworden war, waren dann gleich zwei Familien drin und von daher war auch der Bedarf an Kirche groß. Weshalb die Christuskirche ja damals 744 Plätze hatte“, erzählt Frank Morgner über ‚seine‘ Kirche, in der seit 20 Jahren arbeitet. „Meine Beziehung zur Christuskirche ist langsam entstanden, anfangs war sie mir fremd. Die Christusfigur, die vom Fenster leuchtet, fand ich total schön, aber die Augen irritierten mich.“ Die Beziehung musste wachsen, der Kirchraum mit eigenen Gottesdiensten und geistlichen Erfahrung befüllt und belebt werden. Es wurden Kirchbänke entfernt, um Raum zu schaffen für andere Veranstaltungsformate wie Konzerte, die Ballustrade zwischen Altarraum und Gemeinde wurde entfernt. 

„So entstand eine größere Nähe. Selbst wenn ich vor dem Altar stehe, also in einer relativ großen Entfernung, ist es tatsächlich so, dass ich das Gefühl habe, der Gemeinde näher zu sein. Und das gilt umso mehr, wenn ich im Gospelgottesdienst oder bei kleineren Formaten direkt vor der Gemeinde stehe. Die Menschen sitzen auch anders, das macht einen Unterschied.“ Die ursprünglich in der Planung intendierte repräsentative Funktion der Christuskirche wandelte sich mit der Zeit. 

Mein Tag im Büro wird geordnet durch den Klang der Glocken unserer Christuskirche. Das finde ich sehr wohltuend. Es lässt mich immer kurz innehalten, um zu gucken, wessen der Tag überhaupt ist. Das ist das Privileg, wenn man neben einer Kirche wohnt und arbeitet.

Superintendent Christian Berndt

Zurzeit plant die Stadtkirchengemeinde einen mobilen Altar, der auch außerhalb der Kirche Verwendung finden soll. „Damit bin ich in meiner Vermittlungsrolle zwischen Gott und Gemeinde beiden näher. Gott nahe und gleichzeitig der Gemeinde nahe.“ Und trägt Kirche ihre Reformbewegungen auch in ihre Kirchenräume und verändert damit gelebte Glaubenspraxis. „Wir lassen in Abendmahlfeiern die Gemeinde die Einsetzungsworte sprechen. Das ist keine dezidierte Aufgabe von Ordinierten. Die Gemeinde setzt das Abendmahl ein, das finde ich total, eine Tradition aus der Arche, großartig, die habe ich damals mitgebracht.“

... Menschen - Themen - Orte

Open Church

Immer wieder dienstags ist die Christuskirche offen - für Sie. Für Gebet, Stille oder eine Kerze. Ab 16 Uhr für 90 Minuten. 

Stadtkirchengemeinde Wolfsburg

Pastor Frank Morgner
An der Christuskirche 6
38440 Wolfsburg
Tel.: 05361 2752129
Fax: 05361 2752350