„Krempelt die Ärmel hoch!“

Nachricht 02. November 2026
Foto: KK-Öffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit
Stephan Weil (li.) und Superintendent Christian Berndt

Stephan Weil ermutigt zur Demokratie

Zum diesjährigen Reformationsempfang in der Wolfsburger Christuskirche hatten der Kirchenkreis und die Propstei Vorsfelde Stephan Weil eingeladen, der bis Mai 2025 niedersächsischer Ministerpräsident war. „Ob Luther mit Leib und Leben davon kommen würde mit seinem Engagement, war nicht von vornherein klar“, erinnerte Weil an den Reformator und die Entwicklungen vor mehr als 500 Jahren. „Wir sollten jedoch aus seiner Haltung Konsequenzen ziehen, denn vieles ist von uns selber abhängig. Wir alle haben die Verantwortung, nicht nur zu beklagen sondern auch zu verändern!“

"Irgendwas läuft hier schief!"

Deutschland 2026 sei ein Land in Moll-Stimmung, gedämpft, manchmal wütend, nicht hoffnungsfroh. Umfragen zeigten: Die Einschätzung der persönlichen Zukunft seien nicht ganz so pessimistisch, die Einschätzungen das Land und die weltweite Situationen betreffend hingegen düster. Die Schere bei Einkommens- und Vermögensentwicklung habe sich deutlich geöffnet, insbesondere bezahlbares Wohnen sei mittlerweile nicht nur in Großstädten sondern auch in ländlichen Räumen ein immer drängenderes Problem. „Die Alltagserfahrungen großer Bevölkerungsteile zeigen: Irgendwas läuft hier schief.“ 

Ängste zu schüren ist leichter, als Hoffnung zu säen. Fordern ist leichter, als selbst Verantwortung zu übernehmen.“    Superintendent Christian Berndt

Foto: KK-Öffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit
Nicht nur die erste Reihe lauscht den Pape-Schwestern: Propst Dr. Ulrich Lincoln, Stephan Weil, Superintendent Christian Berndt

Verunsicherung, Sorgen – das seien nicht nur deutsche Themen. Insbesondere soziale Medien trügen dazu bei, dass der Eindruck entstehe, es ginge nur noch bergab. „Wir sind in einer Phase historisch grundlegender Umbrüche.“ Teifgreifende Veränderungen in der Geopolitik mit unmittelbaren Auswirkungen auf Frieden und Handel, Exklusion durch Digitalisierung und auch der Klimawandel erzeugten Veränderungserschöpfung. „Die Hoffnung ist ganz schön ramponiert. Wir trauen uns nichts mehr zu. So kann es nicht bleiben!“

Die Blickrichtung wechseln 

Es gäbe, so Weil, gute Gründe, in Deutschland leben zu wollen. „Der Wohlstand, den wir heute genießen, wäre für unsere Eltern und Großeltern unvorstellbar gewesen.“ Deutschland sei auch heute noch die drittstärkste Wirtschaftsnation der Welt, Volkswagen weltweit das zweitstärkste Unternehmen in der Automobilbranche. Ja, es gäbe definitiv Baustellen und große Herausforderungen. „Menschen reagieren sensibler auf potentielle Gefahren als auf das, was gut läuft.“

Mut ist eine alte Tugend. Wir brauchen Menschen, die Mut haben. Die sich einsetzen für das Gemeinwesen, trotz Beleidungen, trotz Drohbriefen. Menschen, die wie die bittende Witwe im Gleichnis vom ungerechten Richter im Lukasevangelium der Macht die Wahrheit ins Gesicht sagen. Das ist urdemokratisch. Habt den Mut, euch eures eigenen Verstandes zu bedienen.“   Prospst Dr. Ulrich Lincoln

Die Aufgabe von Politik sei es, möglichst viel Orientierung zu geben und möglichst viele Sicherheiten zu schaffen. Bezahlbares Wohnen sei ein immer drängenderes Problem, Gerechtigkeit ebenso, beispielsweise für Menschen, die lange Zeiten schwer körperlich gearbeitet hätten. „Sie werden keine 65jährige Krankenschwester oder keinen 65jährigen Dachdecker finden.“ 

Alle können etwas beitragen

Immer mehr Anlass beunruhigt zu sein, gäbe es auch beim Thema Frieden. Deutschland könne sich nicht mehr nur auf andere verlassen. „Wir sind nicht naiv. Wir verbinden es aber damit, unseren Friedenswillen zum Ausdruck zu bringen.“ Stephan Weil wünscht sich eine selbstbewusste Gesellschaft, die zusammenhält. „Also: fürchtet euch nicht! Wir können alle etwas beitragen. Krempelt die Ärmel hoch!“ 

Foto und Text: KK-Öffentlichkeitsarbeit / F. Josuweit

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Foto: Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen / F. Josuweit

Reformationstag im Kirchenkreis

Nicht nur in Wolfsburg, sondern an vielen Orten im Kirchenkreis feiern wir den Reformationstag. In Brome ging es gleich morgens um 10 Uhr los, "Reformen oder Reformation" lautete die Überschrift. Abends um 18 Uhr wurden in der Wittinger St. Stephanus-Kirche und in der Bonhoefferkirche in Wolfsburg-Westhagen Jugendgottesdienste gefeiert. Das Steinhorster Abendmahl fand am 1. November statt. 

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Musikalischer Hochgenuss - die Pape-Schwestern aus Tülau

Die Pape-Schwestern

Pape heißen sie alle nicht mehr, macht aber nichts, denn dass sie zusammengehören, können diese vier Schwestern nicht leugnen. Kammermusik unterschiedlichster Epochen gehören genauso zum Repertoire dieses grandiosen Streichquartetts wie zeitgenössicher Rap. 

„Ich bin wirklich beeindruckt von der Musik der Pape-Schwestern! Sie musizieren einfach großartig!“, sagte der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil.

Stephan Weil

Der 67jährige Jurist war von 2013 bis 2025 Ministerpräsident in Niedersachsen. Er war auch Mitglied des Volkswagen Aufsichtsrates und ist noch Mitglied des Niedersächsischen Landtages. Seine berufliche Laufbahn begann als Rechtsanwalt, er war Staatsanwalt und Richter, bevor der Stadtkämmerer und später Oberbürgermeister von Hannover wurde.