Einander Mut machen

Nachricht 06. Oktober 2026

Regionalbischöfin visitiert Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen

Viel Zeit zum Luftholen gab es nicht in der Woche, in der Marianne Gorka den Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen bereiste und seine Gemeinden, Einrichtungen und Dienste besuchte und mit vielen engagierten Kirchenmenschen im Gespräch war. „Das war wirklich beglückend, das kann ich nicht anders sagen“, so das allererste Fazit der Regionalbischöfin des Sprengels Lüneburg.

200 Kilometer Rundfahrt in neun Stunden, Besuch der Kirchenkreissynode und der Klausurtagung der Kirchenkreiskonferenz, im Kirchenamt in Gifhorn, beim Mittagstisch im Haus der Kirche, bei den Sozialdiakonischen Diensten und der Familienbildungsstätte, beim Kirchenkreisvorstand, im Kloster Isenhagen, der Evangelischen Grundschule Waldschule Eichelkamp.

Es ist unglaublich viel Engagement da, für das, was Kirche ausmacht, nämlich für Menschen da zu sein.“   
Regionalbischöfin Marianne Gorka

Treffen mit Politiker:innen, Mitarbeitenden der Telefonseelsorge, der Notfallseelsorge, der Krankenhausseelsorge, der Altenheimseelsorge, der Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Besuch des Jugendcafé Anna, eines Wolfsburger Kinder- und Familienzentrum, eines Workshop zur Familienorientierten Kirche, Besuch auch von befreundeten diakonischen Einrichtungen und eines Gottesdienst im Grenzmuseum Böckwitz – doch das ist längst noch nicht alles, was Marianne Gorka zu sehen und zu hören bekam in gerade mal einer Woche. 

„Ich habe so viel Warmherzigkeit erlebt in diesen Tagen. Überall hat man einen guten Blick dafür, was Menschen brauchen. Ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte, eine offene Tür, bei der man einfach mal anklopfen kann. Das ist so unglaublich viel wert.“ Es mache Mut, das sehen und hören zu dürfen, dafür sei sie einfach dankbar. „Es ist unglaublich viel Engagement da, für das, was Kirche ausmacht, nämlich für Menschen da zu sein.“

Es sind nicht die lauten Gesten, sondern es ist die leise Stetigkeit. Das ist unsere Stärke. Die brauchen wir nicht nur für uns selbst, die braucht auch unsere Gesellschaft“   
Regionalbischöfin Marianne Gorka

Besonders komplexe Themen in Wolfsburg-Wittingen

10 Kirchenkreise sind es, die den Sprengel Lüneburg bilden. Aufgefallen sei ihr, dass den Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen besonders komplexe Themen beträfen, nicht nur aktuell durch das Unglück im Wolfsburger Martin-Luther-Kinder- und Familienzentrum. Der Kirchenkreis habe sehr viel Personalverantwortung beispielsweise durch seine Kindertagesstätten, insgesamt 20 sind es kirchenkreisweit. Unterschiede zwischen Stadt und Land spielten gar nicht die ganz große Rolle.

„Letztlich stellen wir fest: Auch eine Stadt ist irgendwie nur ein Dorf. Überall sind Menschen, die gesehen werden und gehört werden wollen mit ihrem Alltag und ihren Nöten. Da sind wir doch alle gleich.“ Deutlich wahrnehmbar seien die Sorgen rund um den großen Arbeitgeber Volkswagen gewesen. „Es bewegt alle mit, wenn wie jetzt Tarifverträge gekündigt werden.“

Ich möchte ermutigen zu großen Schritten nach vorn. Macht nicht zu viele Zwischenlösungen, gründet Gemeindeverbände, fusioniert, reduziert die Vorgänge, die Zwischenlösungen verursachen würden!“  
Regionalbischöfin Marianne Gorka

Transformationsprozesse beschäftigen die Gesellschaft zurzeit stark, auch Kirche ist davon nicht ausgenommen. Sie verstehe, dass Menschen Verlustängste haben. „Ich möchte ermutigen zu großen Schritten nach vorn. Macht nicht zu viele Zwischenlösungen, gründet Gemeindeverbände, fusioniert, reduziert die Vorgänge, die Zwischenlösungen verursachen würden!“ Personal, Finanzen, Gebäude, Umsatzsteuer, Datenschutz, Brandschutz, Verwaltung – vieles, was in Kirchengemeinden Zeit und Kraft bindet, ließe sich so reduzieren. „Davon würde ich mir einen Gewinn versprechen, damit diejenigen, die sich um das Gemeindeleben kümmern, dafür auch Freiheit und Kräfte haben.“

Stärke von Kirche: Leise Stetigkeit

Menschen zusammenbringen, Orte schaffen, an denen das möglich ist, gastfreundlich sein, miteinander im Gespräch und achtsam füreinander zu sein, all das gehöre zu den Stärken von Kirche. „Es sind nicht die lauten Gesten, sondern es ist die leise Stetigkeit. Das ist unsere Stärke. Die brauchen wir nicht nur für uns selbst, die braucht auch unsere Gesellschaft“, sagte die Regionalbischöfin und erinnerte am Tag der Deutschen Einheit an die Friedensgebete, die vor 37 Jahren eine Diktatur nur wenige Kilometer entfernt vom Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen zu Fall brachten. 

Am kommenden Sonntag, 11. Oktober 2026, wird die Visitation mit einem feierlichen Gottesdienst in der Friedenskirche in Groß Oesingen beendet. Um 10 Uhr geht es los, dabei ist neben der Regionalbischöfin auch Superintendent Christian Berndt, Pastor Karsten Heitkamp, die Lektorinnen Anke Eggers und Klara Reiß sowie die Kirchenkreiskantorei mit Michael Jandek und ein Bläserchor aus mehreren Gemeinden im Nordkreis. Nach dem Gottesdienst sind alle herzlich zum Kirch-Café im DoerpHus eingeladen. 

Der Sprengel Lüneburg ist einer von sechs Bezirken der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Zwischen Hittfeld im Norden und Wolfsburg im Süden, Walsrode im Westen und Lüchow-Dannenberg im Osten erstreckt sich eine Region, die weithin ländlich geprägt ist, aber mit der Autostadt Wolfsburg und der Metropolregion um Hamburg auch städtische Strukturen aufweist. 

Zum Sprengel Lüneburg gehören zehn Kirchenkreise, wobei die Kirchenkreise Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen vor der Fusion stehen. In den 220 Kirchengemeinden mit rund 470.000 Gemeindegliedern sind 350 Pastorinnen und Pastoren tätig.

Die geistliche Leitung und den bischöflichen Dienst im Sprengel nimmt seit Februar 2024 Regionalbischöfin Marianne Gorka wahr. Sie vertritt den Sprengel in der Öffentlichkeit und ist über den Bischofsrat beteiligt an der gesamtkirchlichen Leitung der Landeskirche Hannovers. 

Regionalbischöfin Marianne Gorka
Hasenburger Weg 67
21335 Lüneburg