FamilienOrientierte Kirche: Projekt-Workshop stellt Erfolgsprojekte vor
Atefeh lebt seit zwei Jahren in Deutschland, heute unterrichtet sie selbst Deutsch. „Wer aus eigener Kraft Deutsch gelernt hat, kann es anderen viel besser vermitteln als eine Muttersprachlerin“, sagt Eva Grote-Girmendonk, Mitarbeiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte Wolfsburg (Fabi) und dort Koordinatorin für Menschen mit Flucht- und Migrationsbiografien. Atefeh kommt aus dem Iran, dort war sie Ingenieurin. „Ich konnte nicht mal zwei Sätze Deutsch, als ich hier ankam.“
Dass sie nach weniger als zwei Jahren selbst Deutsch unterrichtet, liegt vor allem am Konzept des Begegnungsraumes, einem Kooperationsprojekt von Fabi und der Lukaskirchengemeinde Wolfsburg. Fünf Jahre ist dieses Projekt jung, Kristallisationspunkt war und ist die internationale Frauengruppe. Erwachsen sind daraus bisher Nähwerkstätten, Bewegungsangebote, niedrigschwellige Sprach-Lern-Angebote, das wöchentliche Begegnungscafé, die FamilienOase mit Ruheraum, Spielraum und Outdoorraum und dann noch das Ackerprojekt.
Menschen empowern
„Wir leben hier auf dem Kirchencampus der Kreuzkirche eine Open-House-Atmosphäre“, erzählt Fabi-Fachberaterin Martha Pordzik, die mit Eva Grote-Girmendonk die Angebote initiiert und entwickelt hat. „Wir leben hier Gemeinschaft, Zusammenarbeit, Vernetzung, Sinnhaftigkeit, Wertschätzung. Und wir empowern Menschen, ihre Gaben weiterzuentwickeln und dann eigene Kurse anzubieten.“ Wie Atefeh, die Deutschlehrerin aus dem Iran. Wie Siva aus Indien, die Sumba-Tanzgruppen ins Leben gerufen hat, oder Stefanie Bock, die Phantasie und Kreativität wecken möchte mit ihren Kunstprojekten.
Gute Beziehungsarbeit lässt Menschen wiederkommen
„Ich bin beeindruckt, was hier entstanden ist und dass das auch funktioniert. Vor einem Jahr wusste ich noch nicht, worauf ich mich damit einlasse“, erinnert sich Therese Zimkowsky, Vorsitzende der Lukaskirchengemeinde. Gelingfaktoren sind neben einem hochengagierten Team Netzwerke, Multiplikator:innen wie beispielsweise Stadtteilmütter und auch Mund-zu-Mund-Propaganda. „80 Prozent unserer Arbeit ist Beziehungsarbeit. Das lässt Menschen wiederkommen, manchmal auch erst nach Jahren“, erleben Pordzik und Grote-Girmendonk.
Zu den Gelingfaktoren gehörten auch das Engagement und die Kompetenzen all derer, die sich einbrächten, und die Kooperationspartner:innen im Sozialraum, wie die benachbarte evangelische Kita oder auch die Neulandstiftung Wolfsburg. „15 Angebote gibt es zurzeit und es wächst weiter. Weil Menschen mit ihren Ideen und Angeboten zu uns kommen.“ Begrenzungen gäbe es jedoch durch Zeitkapazitäten und Projektzeiträume. „Wir müssen immer wieder gucken: Wo können wir Projektgelder beantragen.“ Auch das kostet Zeit.