Ostern – undenkbar ohne Karfreitag

Zum Karfreitag. Dieser Feiertag ist ein Trauertag. Er gehört zu den wenigen wirklich zentralen Feiertagen der christlichen Kirche. Auch Ostern ist undenkbar ohne Karfreitag. Die Gestaltung ist ganz anders als sonst: Oft eben auch erst nachmittags um 15 Uhr, kein Blumenstrauß auf dem Altar, das Altarkreuz unter einem schwarzen Tuch versteckt, Musik ja, aber ganz wenig, fast gar nicht, am Schluss wird die große weiße Osterkerze ausgepustet und die Leute gehen aus der ganz stillen Kirche. Was hat das alles zu bedeuten? 

Die Uhrzeit erinnert an die Stunde, in der, nach der Bibel, Jesus am Kreuz gestorben ist. Vor seiner Hinrichtung hatte Jesus bereits viele Schmerzen erlitten durch Verrat, Schläge, Folter und Geißeln. Dazu sind bunte Blumensträuße total unpassend. Auch im Ablauf des Gottesdienstes wird gekürzt und verzichtet, bestimmte Teile, die eigentlich jeden Sonntag dran sind, fehlen komplett. Alles unter der Überschrift: Mehr Stille!

Wenn am Schluss die Osterkerze erlischt, ist der Abschied spürbar. Wir verlieren Jesus Christus an den Tod. Für den Moment. Aber muss das wirklich sein? fragen Viele aus der Gemeinde. Will Gott so viel Schmerzen und Gewalt haben? Wofür braucht er das denn? Gott ist doch die Liebe und nicht die Geißel. Gibt auch Leute, die sagen: "Für mich hat Jesus alle lieb und heilt kranke Menschen und hat Brot gemacht für 5000 Zuhörer und fertig."

Aber über Gott steht in der Bibel ganz oft, dass er z.B. Tieropfer oder Räucheropfer gar nicht mehr haben will, dass ihm Opfer eben überhaupt gar nicht mehr gefallen und er die auch nicht will. Jesus stirbt nicht für Gott, sondern, um es ganz konkret zu sagen: Gott opfert sich für Menschen, die an ihn glauben. 

So viele versuchen sich heute auf dem Weg des Glaubens, hin zum Glauben. Und dabei kommt einem immer wieder der Gedanke: Kennt Gott mich eigentlich? Weiß er, wie es in mir drin aussieht? Kann Gott verstehen, was wir Menschen manchmal an Schmerzen aushalten müssen? Kann Gott überhaupt fühlen, wie das ist, wenn mir Gewalt angetan wird, wenn ich hintenrum belogen und betrogen werde, wenn ich mich anstrenge und dauernd auf der Klappe lande, wenn meine besten Freunde Krebs kriegen oder bei einem Unfall sterben müssen? Weiß Gott, wie es mir dann geht? Denn manchmal geht es mir so schlecht, dass ich mich selber frage, ob Gott tatsächlich noch bei mir ist. 

Gottes Nähe war besonders für Jesus Christus das einzige, was er sicher wusste. Gottes Nähe war für Jesus die einzige Kraftquelle seines Lebens, woran er immer festhalten konnte. Was auch immer die Menschen von ihm wollten: Jesus konnte dann helfen, wenn er Gott nah bei sich spürte. Und genau darum brennt eines seiner letzten Worte am Kreuz auch so fies: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Das bedeutet, dass sogar Jesus erlebt, dass Gott scheinbar weit weg ist und fehlt.

Wir selber sind es, die an Karfreitag nachfühlen und miterleben, wie Gott nicht bloß bei Sonnenschein, sondern auch in dunkelster, schmerzhaftester Stunde mitgeht und mitleidet. Gott leidet am Kreuz. Also arbeitet nicht am Karfreitag, feiert nicht, trinkt nicht und lasst mal Stille zu: Denn Gott hat die gesamte Welt so sehr geliebt, dass er seinen Sohn Jesus gegeben hat, damit alle, die an ihn glauben, für immer bei Gott leben.

Florian Herterich ist Pastor in Zasenbeck und Radenbeck

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Florian Herterich
Pastor Florian Herterich
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