Driving home for christmas

Das Kind, das mitten in der Nacht geboren wird – in der Fremde –, weckt eine Sehnsucht: die Sehnsucht nach Heimkommen. Ich kenne Momente, die diese Tage prägen: Ankommen nach einer langen Reise. Viele Jahre sind wir zu Weihnachten weit geflogen, bis nach Südafrika, in meine zweite Heimat, um bei meinen Großeltern zu sein. Der Weg war weit – und doch war da dieses Gefühl: Gleich bin ich da. Gleich bin ich zuhause. Es hat sich dann licht angefühlt, als wir unter der Sonne Afrikas in den Landeflug gingen; licht wie das Heimkommen.

Ich habe mich diese Tage daran erinnert. Das liegt vielleicht am Tod von Chris Rea, der in seinem berühmten Weihnachtssong diese Sehnsucht besingt: Driving home for Christmas. Er steht im Stau, irgendwo zwischen Arbeit und Fest; zwischen Alltag und Zuhause. Die Lichter spiegeln sich auf der nassen Straße. Der Kopf ist voll. Das Herz ist aber schon angekommen. Er singt davon, dass er den Weg kennt; dass er bald da ist und ihn genau dieser Gedanke trägt. Driving home for Christmas – noch unterwegs, doch innerlich schon zuhause.

Die Straßen werden leerer. Nebel liegt über den Feldern. Die Dörfer hierzulande wirken stiller als sonst. In den Fenstern brennen Kerzen. Man geht ein Stück spazieren und hört den eigenen Schritt; den Wind, vielleicht eine Glocke in der Ferne. Es sind diese Tage zwischen den Jahren, die einladen solchen Sehnsüchten nachzuspüren. Sind Sie zuhause oder auf dem Weg?

In diese Zeit hinein klingt der Wochenspruch aus dem Johannesevangelium: „Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1,14b) Herrlichkeit – das klingt groß. Und doch meint Johannes etwas ganz Bodenständiges. Gottes Herrlichkeit zeigt sich nicht im Glanz der Paläste, sondern im Kind im Stall; mitten im Menschlichen und Nahen dieser Tage: Eben genau dort, wo Menschen – Maria, Josef und das Christuskind – noch auf Reisen sind; auf dem Weg. Gottes Herrlichkeit zeigt sich da. Das Heimkommen steckt als Verheißung darin.

Vielleicht ist das die besondere Gabe dieser Tage: noch einmal wahrzunehmen, wo Gott nahe ist. Der helle Schein steht noch in unserm Blick: In der Dankbarkeit über erlebte Stunden – und ganz sicher auf dem Weg. Weihnachten ist vorbei. Aber das, was Weihnachten ausmacht, bleibt. Gott wohnt mitten unter uns: Voller Gnade und Wahrheit - auch jetzt. Und vielleicht dürfen wir es uns in diesen Tagen sagen lassen: Wo wir sind, da ist Gott mit uns unterwegs.

Eine gesegnete Zeit wünsche ich Ihnen!

Patrick Haase ist Pastor im Osten des Isenhagener Land

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