Kennen Sie den Propheten Sacharja?
Oder überhaupt einen der Propheten aus dem Alten Testaments?
Früher hatte ich von ihnen ein ziemlich ehrfürchtiges Bild.
Erhabene Gestalten. Klare Stimmen.
Menschen, die Gott näher waren als dem Leben.
Im Studium bekam dieses Bild Risse.
Ein Professor sagte einmal:
Propheten waren keine feinen Redner.
Sie schrien, zitterten, sabberten.
Das ging damals richtig ab.
Jeremia zum Beispiel lief stundenlang mit einem Joch
auf den Schultern durch die Stadt.
Nicht würdevoll. Sondern schwer.
So schwer, dass man es sehen konnte.
Gerade fühle ich mich diesen Bildern näher,
als mir lieb ist.
Kurz vor Weihnachten lastet vieles auf den Schultern.
Besorgen, organisieren, funktionieren.
Der Wunsch, dass es endlich ruhig wird.
Und gleichzeitig das Gefühl:
So richtig kommen wir nicht voran.
Nicht persönlich.
Nicht in unserem Land.
Nicht in dieser Welt.
Vielleicht ist das kein schlechter Moment,
um auf einen Propheten zu hören.
Nicht auf seine Gestalt,
sondern auf sein Wort.
Der Prophet Sacharja sagt:
„Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion!
Denn siehe, ich komme
und will bei dir wohnen, spricht der HERR.“
Das ist kein billiger Trost.
Kein frommer Zuruf aus sicherer Entfernung.
Denn dieses Wort entsteht nicht in Ruhe,
sondern unter Last.
Es sagt nicht: Erst wird alles leichter.
Es sagt: Ich komme.
Und ich wohne bei dir.
Weihnachten beginnt genau hier.
Nicht nach dem Stress.
Nicht jenseits der Erschöpfung.
Sondern mitten in dem,
was wir gerade tragen.
Gott zieht nicht dort ein,
wo alles fertig ist.
Er kommt dorthin,
wo Menschen es kaum noch hinbekommen.
Wo die Schultern schwer sind
und die Gedanken voll.
Vielleicht ist das die eigentliche Zumutung
und zugleich die Entlastung dieses Abends:
Ich muss Weihnachten nicht herstellen.
Ich muss nichts beweisen.
Ich darf hören, was Sacharja sagt.
Freu dich.
Nicht weil alles gut ist.
Sondern weil Gott bleibt.
Und bei uns wohnen will.
Johann Staak ist Pastor in Brome, Tülau und Ehra
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