Gott macht sich klein

20. Dezember 2025

„In Christus ist das reine Ja Gottes Wirklichkeit geworden.“   2. Kor. 1,19; GN

Aus unserem Alltag wissen wir: Menschen, die „ja“ sagen, aber ihr Ja nicht einlösen, sind unglaubwürdig. „Ja, ich helfe dir“, sagt einer – und tut es dann nicht. Das ist bitter. „Ja, ich besuche dich“, sagt eine. Und dann tut sie’s nicht. Das ist kränkend.  „Ja, wir machen eine andere Politik!“ – und dann bleibt doch alles beim Alten. Das ist enttäuschend. Die Beispiele ließen sich ergänzen. Ja sagen und ein Nein leben – das zerstört Vertrauen. 

Für unser Zusammenleben ist es unabdingbar notwendig, dass wir einander vertrauen können. Wir brauchen ein eindeutiges Ja. Ein Ja, das auch dann noch hält, wenn Zwischenmenschliches zerbrechen sollte. 

Und genau dieses Ja hat Gott gesprochen: vorbehaltlos und uneingeschränkt; eindeutig: „In Christus ist das Ja.“

Was bedeutet dieses Ja in seiner allerletzten Konsequenz für uns? 

Wenn ein Vater mit seinem Kind spielt oder wenn er es tröstet, dann bleibt er nicht in seiner vollen Größe vor dem Kind stehen. Er geht in die Knie, er macht sich klein, er begibt sich in die Lage des Kindes. Dieser Vater macht sich immer auch ein bisschen lächerlich, wie er da auf den Knien rutscht und die Kindersprache spricht.

Gott wird Mensch, das erzählt die Weihnachtsgeschichte. Und in vielen Farben malt sie die neue Lächerlichkeit Gottes aus, der sich nicht in seine Macht und Überlegenheit festgekrallt hat. Er geht in die Knie, er erlebt das Leben aus unserer Perspektive, und er spricht die Sprache unseres Stammelns. 

Es ist ein fremder und zärtlicher Gedanke zugleich, dass unser Leben und die Welt nicht gerettet werden durch die Macht der Mächtigen, sondern durch die Teilnahme Gottes an unserer Ohnmacht und an unseren Leiden. Gott geht in Jesus Christus in die Knie, wie wir in die Knie gehen, wenn uns das Leben schlägt.

Doch der kleine König hat gesiegt, erzählt uns die Bibel; er ist auferstanden. Und damit ist Gottes Ja erst richtig zur Bestätigung gekommen. Die Geschichte von der machtlosen Liebe, die das Leben gewinnt, ist schwer zu glauben. Was wir in unserem Alltag erfahren, spricht oft gegen sie. Aber sie ist der versprochene Segen, wo uns das Leben in die Knie zwingt. Sie erst macht uns den allmächtigen Gott glaubwürdig. So gesehen wünsche ich Ihnen eine neue Sicht auf das Weihnachtsfest. Frohe Weihnachten!

Helmut Kramer ist Pastor Ehra und Tülau

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Helmut Kramer
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