Sexagesimae

07. Februar 2026

Unser Konfirmandenunterricht war ziemlich seriös. So empfanden wir es damals, als wir brav den Katechismus, dutzende Lieder und Bibelstellen auswendig lernten. An einer Stelle jedoch wurde es unanständig: Sexagesimae. Dieser Sonntag im Kirchenjahr schien dafür gemacht, pubertäre Fantasien bei uns 14jährigen zu triggern. Das ist übrigens noch heute so. Deswegen lasse ich ihn bei der genaueren Besprechung des Kirchenjahres weg.

Dabei ist er ein schöner Sonntag, morgen feiern wir ihn. Er bedeutet, dass wir uns ungefähr 60 Tage vor Ostern befinden. Der Weihnachtszyklus ist beendet, die Passionszeit hat noch nicht begonnen. Ein Sonntag im Übergang. Wie überhaupt diese Zeit vom Übergang geprägt ist. Die Tage werden länger, der Frühling lässt noch auf sich warten.

Der Sonntag Sexagesimae erzählt von einem Sämann, der großzügig sät. Der Samen ist gut, daran liegt es nicht. Entscheidend ist der Boden, auf den er fällt. Vieles von dem Samen geht verloren, weil der Boden ihn nicht aufnehmen kann. Wo der Same wurzeln kann, trägt er vielfältig Frucht.

Jeden Tag prasseln Dutzende von Worten auf mich ein, in Nachrichten, Telefonaten, Mails, Werbung und sozialen Netzwerken. Viele beanspruchen meine Aufmerksamkeit, viele wollen in mir Wurzeln schlagen.

Oftmals ziehe ich mich zurück, antworte nur mechanisch, wenn ich überhaupt antworte. Ein notwendiger Schutz, den wir bei all den Beanspruchungen brauchen.

Wie leicht verpasse ich dabei den guten Samen, der auf mein Leben fällt! Wie sehr bin ich schon hart geworden, dass nicht nur der schlechte Same nicht wurzeln kann, sondern auch der gute Same verloren geht? Diese Frage begleitet mich schon seit längerer Zeit. Und macht mir Sorge.

Ich möchte nicht in der Härte eines frostigen Winters stecken bleiben. Wo nichts gedeihen kann, wo nichts Neues entsteht. Gott gebe uns, dass wir zusammen mit dem Kirchenjahr übergehen in eine Zeit, in der Glaube, Liebe und Hoffnung neu in uns gedeihen.

Dr. Heinrich Springhorn ist Pastor in Groß Oesingen, Hankensbüttel, Sprakensehl und Steinhorst

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Dr. Heinrich Springhorn
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