„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66,20)
Rogate – „Betet!“ So schlicht und so klar ist die Einladung dieses Sonntags. Beten – das klingt für viele nach großen Worten, nach der richtigen Formulierung. Doch vielleicht ist es viel einfacher.
Dem Pastor einer Gemeinde in Kenia fiel ein alter, ärmlich wirkender Mann auf, der jeden Mittag um 12 Uhr die Kirche betrat und sie schon nach kurzer Zeit wieder verließ. Eines Tages wartete er auf den Mann und fragte ihn, was er denn in der Kirche tue. Der Alte antwortete: „Ich gehe hinein, um zu beten!” Auf die verwunderte Feststellung: „Aber du bist niemals lange genug in der Kirche, um wirklich beten zu können!” erklärte der alte Mann: „Ich kann kein langes Gebet sprechen, aber ich komme jeden Tag um 12 Uhr vorbei und sage: Jesus, hier ist Jim! Dann warte ich eine Minute, und er hört mich.”
Nach einiger Zeit kam der alte Jim mit einer Verletzung seines Beines in das Krankenhaus. Die Schwestern stellten fest, dass er auf alle anderen Patienten einen heilsamen Einfluss hatte. Die Nörgler wurden zufrieden, die Ängstlichen gewannen neue Zuversicht, die Traurigen wurden fröhlich. Und es wurde viel gelacht in Jims Zimmer. „Jim”, sagte die Stationsschwester eines Tages zu ihm, „die anderen Männer sagen, dass du diese Veränderung herbeigeführt hast. Du bist immer glücklich!”
„Ja, Schwester, ich kann nichts dafür, dass ich immer so fröhlich bin. Das kommt durch meinen Besucher.” Die Schwester hatte bei Jim noch nie Besuch gesehen, denn er hatte keine Verwandten und auch keine näheren Freunde hier. „Dein Besucher?” fragte sie, „wann kommt er denn?” - „Jeden Tag um 12 Uhr mittags”, antwortete Jim. „Er kommt herein, steht am Fußende meines Bettes und sagt: Jim, hier ist Jesus!”
Diese Geschichte bringt auf den Punkt, worum es beim Beten geht. Es ist kein kunstvolles Reden. Kein Beweis von Frömmigkeit. Beten ist Beziehung. Ich erkenne: Da ist einer, der mich hört. Einer, der sich mir zuwendet. Einer, der mich verändert.
Der Wochenspruch sagt: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft.“ Das bedeutet: Kein Gebet geht ins Leere. Kein Wort ist zu unbeholfen. Gott wendet seine Güte nicht von uns – auch dann nicht, wenn uns die Worte fehlen. Vielleicht ist das die Einladung dieses Sonntags: Es einfach zu wagen. Ohne große Formeln. Es käme einfach darauf an, herauszufinden, ob Jims Geschichte auch meine werden könnte.
Helmut Kramer ist Pastor Ehra und Tülau
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