Bzzzz. Natürlich jetzt. Ein Griff
in die Tasche, ein Blick aufs Handy.
Straße von Hormus gesperrt.
Kriegsschiffe unterwegs.
Und mein Kopf macht, was er
inzwischen erschreckend zuverlässig
kann: Er springt nicht zuerst
zu den Menschen. Nicht zur Angst.
Nicht zum Leid. Er springt
zur Zapfsäule. Zu Spritpreisen.
Zur Wirtschaft. Zur Pendlerpauschale.
Mit anderen Worten: zum Wichtigsten.
Jedenfalls für mich.
Und genau da merke ich, wie eng
man werden kann. Da draußen
eskaliert etwas, und hier drin
läuft sofort die Rechnung:
Was heißt das für mich?
Was kostet mich das?
Der Krieg ist weit weg.
Die Folgen sind es nicht.
Vielleicht ist das das eigentlich
Miese. Nicht nur die Krise.
Sondern was sie mit uns macht.
Dass sie uns enger macht.
Dünnhäutiger. Gereizter.
Schneller hart.
Nicht als große Bosheit.
Viel schlichter. Im Ton.
Im Blick. In der Geduld,
die plötzlich fehlt.
Misericordias Domini heißt
dieser Sonntag. Klingt fast
wie mies. Bedeutet aber
das Gegenteil: Barmherzigkeit
des Herrn.
Der Prophet Micha sagt:
„Es ist dir gesagt, Mensch,
was gut ist.“
Ist es nicht so? Wir wissen,
was gut ist. Das Gute ist
nicht verschwunden. Es wird nur
überdeckt. Von Nachrichten.
Von Sorgen. Von dem,
was ständig vibriert.
Bzzzz.
Und irgendwann erinnert uns
alles nur noch an das,
was fehlt.
Vielleicht braucht es eine andere
Erinnerung. Keinen Alarm.
Keinen Druck. Sondern diesen Satz:
Es ist dir gesagt, Mensch,
was gut ist.
Wie ein leises Gegen-Bzzzz.
Eine Erinnerung daran, wie Gott ist:
nicht eng, nicht hart,
nicht nur bei sich.
Sondern barmherzig.
Johann Staak ist Pastor in Brome, Tülau und Ehra
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