Hörwunder

23. Mai 2026

Wann hatten Sie zuletzt das Gefühl, dass Ihnen wirklich zugehört wird? Dass jemand Sie ein paar Minuten reden ließ, ohne zu unterbrechen? Wirklich ganz ohne Kommentar. Höchstens mit einem zustimmenden, ermunternden Nicken oder „mmh“. Wenn Ihnen spontan eine solche Gelegenheit einfällt, schätzen Sie sich glücklich! Nach meiner Erfahrung ist das ein ganz seltenes Gut.

Da wollen die einen nur ihre eigene Meinung und ihre Erfahrungen loswerden, andere schaffen es grundsätzlich nicht, sich länger als ein TikTok-Video lang zu konzentrieren, und wieder andere hören sich am liebsten selbst reden. Echtes Zuhören ist Mangelware – dabei ist es so wohltuend, von anderen wahrgenommen und gehört zu werden.  

Und wann haben Sie einem Menschen länger zugehört? Mit offenen Ohren und offenem Herzen? Ich frage mich das immer wieder mal selbst, da für mich ohne ein solches Zuhören keine Nähe und keine Verbindung entstehen. Und weil es so einfach ist, sich nicht auf jemand anderes einzulassen, doch lieber das Handy zu checken oder zu überlegen, was sonst noch zu tun ist. 

Heute schreibe ich ein Plädoyer für das aktive Zuhören. Wie ich darauf komme? Dieser Sonntag ist für mich der Tag des Zuhörens. Ja, Pfingsten gilt vor allem als Geburtstag der Kirche, der Tag, an dem der Heilige Geist in Jerusalem so stark präsent war, dass sich Tausende taufen ließen und es mit der Kirche richtig losging.

Aber es hat mit dem Zuhören begonnen. Die Menschen haben dem Prediger Petrus zugehört, haben seine Rede aufgenommen, dann aufeinander gehört und ihr Leben miteinander geteilt. Pfingsten vor 2.000 Jahren war das große Wunder. Wenn Menschen einander heute aufmerksam zuhören – im einzelnen Gespräch wie bei einer Rede –, dann hat das für mich auch etwas Wunderbares. 

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Foto: Jens Schulze
Superintendent Christian Berndt
An der Christuskirche 7
38440 Wolfsburg