Das Kreuz mit dem Kreuz

03. April 2026

Als Kruzifix-Urteil ging der Vorgang vor 31 Jahren in die deutsche Rechtsgeschichte ein: der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum Antrag dreier bayrischer Schüler und derer Eltern, die Kreuze aus den bayrischen Klassenzimmern zu entfernen. Höchstrichterlich wurde festgestellt, Kreuze per Schulordnung in Klassenzimmern aufzuhängen sei verfassungswidrig.

Angeheizt wurde die Debatte über diesen Beschluss noch dadurch, dass die Beschwerdeführer bekennende Anthroposophen waren. Von Kulturkampf in Klassenzimmern war die Rede, von gezielter Entchristlichung unserer Gesellschaft. Ich war damals zwiegespalten. Einerseits ist das Kreuz ein vertrautes und selbstverständliches Symbol, das unsere christlich-abendländische Tradition widerspiegelt. Andererseits hängen wir in unsere Klassenzimmer keine Halbmonde oder Davidssterne, obwohl auch diese Symbole in unserer Gesellschaft eine große Bedeutung haben.

Viele begrüßten den Beschluss, weil das Kreuz ein Todessymbol ist. Es zeigt ein Marterwerkzeug der Antike, besonders dann, wenn der geschundene Leib Christi mit abgebildet ist. Durch den Verlust von christlicher Prägung und Bildung geht das Verständnis für die Lebensbedeutung verloren, die für Christen im Kreuz liegt. Es ist nicht nur ein Modeaccessoire oder Kultursymbol, sondern ein Zeichen für das Heil, das Christus in die Welt gebracht hat. 

Viele Jahrhunderte hatte man andere Symbole, wie beispielsweise den Fisch oder den Pelikan, den Anker oder das Christusmonogramm (PX). Erst in den verheerenden Pest- und Hungerzeiten des Mittelalters wurde das Kruzifix zum zentralen Symbol der westlichen Christenheit, weil es Christus so darstellte, wie die damaligen Menschen sich selbst und ihre Lieben erlebten: gefährdet, geschunden und gequält, von Pest, Hunger und Krieg. Es spendete Trost und Ewigkeitsgewissheit angesichts einer verfallenden Welt. Weil Gott diese Welt nicht verlässt.

Mir ist das Kreuz deswegen immer noch sehr lieb und wert. Aber nicht unbedingt als Statement in Klassenzimmern.

Dr. Heinrich Springhorn ist Pastor in Hankensbüttel und Sprakensehl

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Dr. Heinrich Springhorn
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