Am liebsten bin ich zufrieden. Das war wohl schon in meiner Kindheit so und hat sich bis heute nicht geändert. Wahrscheinlich entspricht es meiner Persönlichkeit am meisten. Zufrieden zu sein, ist bei weitem nicht so aufdringlich, wie wenn man sich als glücklich bezeichnet. Glück ist mir dann doch meist zu groß, so exaltiert und zwanghaft, da habe ich es lieber ein paar Nummern kleiner. Schon so mancher Glücksritter ist vorzeitig gestrandet.
Die Zufriedenheit ist Vorurteilen ausgesetzt. Wer zufrieden ist, wird den Verdacht nicht los, irgendwie selbstgefällig zu sein. Oder einfältig. Oder faul. Oder alles zusammen. Zum großen Glück hat es halt nicht gereicht – also rede ich mir ein, das sei auch gar nicht erstrebenswert. Wer nix kann und nix will, gibt sich einfach zufrieden und bleibt in der Versenkung. Zufriedenheit ist immer irgendwie ein Kompromiss, immer nur so halbfertig. Wer auf die Frage, wie es geht, antwortet: Ich bin zufrieden, will ja eigentlich sagen: So toll ist es nicht.
Ich finde, der Zufriedenheit wird Unrecht getan. Was gibt es Schöneres, als ‚zu Frieden‘ gekommen zu sein? Unsere Welt ist doch schon voll genug von Kriegen und Streitereien, von Aufregungen und Ambitionen – da ist es doch wunderbar, wenn Menschen in der Lage sind, zufrieden zu sein. So ganz unaufgeregt und unscheinbar.
Im 116. Psalm, dem Wochenpsalm für diese kommende Woche des Sonntags Quasimodogeniti, heißt es: „Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.“ Es ist das Gebet eines Menschen, der in allergrößter Not gewesen ist, von Todesstricken und Höllenangst bedroht. Und dann die Erfahrung macht: Ich bin nicht so von Gott verlassen, wie ich manchmal meine.
Zufriedenheit bedeutet nicht Gemütlichkeit. Auch einem zufriedenen Menschen kann das Leben übel mitspielen, kann so manches aus den Fugen geraten und der Blick sich verdunkeln. Aber wer ‚zu Frieden‘ bereit und talentiert ist, weiß: Gott „ist gnädig und gerecht und barmherzig“ – „wenn ich schwach bin, so hilft er mir“. Für meinen Geschmack kann es nur wenig Besseres geben als solche Zufriedenheit.
Karsten Heitkamp ist Pastor im Westen des Isenhagener Landes
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