Nicht vergessen. Nicht allein.

28. Februar 2026

Zum vierten Mal jährt sich der Beginn des Krieges in der Ukraine. Vier Jahre des Leidens sind es, die in den Bildern aus Butscha, Kiew, Charkiw, Mariopol und vielen Orten mehr in Erinnerung bleiben: Vier Jahre Bomben, Sirenen und zerstörte Häuser. Vier Jahre, in denen Russland als Aggressor einen Krieg führt. Zu Beginn des Krieges habe ich freitags Friedensandachten gehalten und mit vielen Menschen Kerzen entzündet. 

Gott vergisst nicht
Die Sehnsucht nach Frieden ist geblieben. Zugleich merke ich, wie schnell man sich gewöhnt an Krieg. Die Bilder sind nicht mehr jeden Abend in den Nachrichten. Das Entsetzen ist leiser geworden. Der Krieg ist nicht vorbei, doch ist er aus dem Fokus gerückt. An diesem Sonntag heißt es in der kirchlichen Tradition ‚Reminiszere‘: Erinnern steht im Zentrum. Gott vergisst nicht. 

Die Monatslosung für den März ergänzt diesen Gedanken mit einer Szene, die mir Hoffnung schenkt. Jesus begibt sich darin an das Grab seines Freundes Lazarus. Die Familie trauert, die Menschen weinen und alles scheint verloren. Doch dann steht in Joh 11,35 dieser eine Satz: „Da weinte Jesus.“ 

Einfach und schlicht steht es da. Fast ist es, als könnte man darüber hinweglesen. Doch umso öfter ich mir darüber Gedanken mache, umso mehr bewegt mich dieses Bild: Jesus weint. Mir zeigt das, wer Gott wirklich ist. Unser Gott ist kein Gott, der Leid nur verwaltet oder nüchtern analysiert. Unser Gott ist einer, der sich berühren lässt und mit uns weint und darin Anteil nimmt. 

Gott weint mit
Wenn ich an die Menschen in der Ukraine denke – an Mütter in Kellern, an Väter an der Front, an Kinder auf der Flucht – dann halte ich mich an diesem Gedanken fest: Gott sieht das! Gott weint mit; nicht aus Ohnmacht, sondern aus Mitgefühl und Liebe. Dieser Glaube verändert die Welt nicht über Nacht. Er beendet keinen Krieg. Aber er verändert meinen Blick. Ich darf traurig sein. Ich darf erschrocken bleiben. Ich darf mich weigern, mich an all das zu gewöhnen.

Zuletzt sei gesagt: Ich glaube, wo Menschen einander beistehen, wo Hilfsgüter geschickt, Geflüchtete aufgenommen und Gebete gesprochen werden – da blitzt etwas von Gottes Mitgefühl mitten unter uns auf. Da bleibt es nicht bei Tränen allein. 

Gott steht nicht abseits
Der Satz „Da weinte Jesus.“ ist für mich ein Zeichen. Gott steht nicht abseits. Er ist mitten unter denen, die leiden. Ich hoffe auf einen Gott, der unsere Tränen sieht. Ich hoffe auf eine Zukunft, in der diese Tränen eines Tages getrocknet werden. Bis dahin bleiben wir verbunden – im Erinnern, im Mitfühlen und im leisen Vertrauen auf Gottes Friede. 

Patrick Haase ist Pastor in Knesebeck

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Pastor Patrick Haase
Kirchstr. 1
29379 Wittingen-Knesebeck