Nicht nachlassen

30. Mai 2026

Jetzt heißt es „Durchhalten“. Noch 4 Mintuen Nachspielzeit oder noch weniger Minuten bis Schulstunden-Ende und die schriftliche Arbeit muss bei der Lehrkraft abgegeben werden. Jetzt heißt es „Durchhalten“, nicht Nachlassen und die letzten Kräfte in Kopf und Körper mobilisieren. Kennt wohl jeder aus seinem Leben, nehme ich an. Und „Durchhalten“ geht sehr oft auch mit persönlichen Gebeten einher. Kurze Pause: Beten ist immer persönlich, also warum diese komische Formulierung, Herr Pastor? Nun, Beten um ein Durchhalten ist durchaus verbreitet und knüpft an viele biblische Erzählungen an: Das Volk Israel marschiert als großer Kraftakt jahrzehntelang durch lebensfeindliches Wüstengebiet und wird durch Mose immer wieder um Durchhalten gebeten. Mose betet auch mehrmals zu Gott darum, dass er ein Durchhalten ermöglicht und begleitet. Das geschieht tatsächlich auch in unnachahmlicher Weise und bringt den Menschen Kraft und Trost und Heil und Zuversicht.

Später sind es mehrere Propheten, die das Exil-Schicksal des Volkes selber miterleben und erleiden und eine erhoffte Rückkehr in Aussicht stellen, aber eben erstmal Durchhalteparolen ausgeben. Das lohnt sich, denn das Exil wird beendet und die Exilanten kehren zumindest teilweise heim.

Und so zieht sich das Durchhalten an vielen Stellen durch die ganze Bibel. Bis zum Schluss. Letzter Satz am Ende der Bibel ganz hinten im Neuen Testament im Buch der Offenbarung des Johannes: Jesus sagt: Ja, ich komme bald. Also findet sich hier wieder dieses Bemühen: Haltet durch! Es ist nicht mehr weit, es dauert nicht mehr lang, Durchhalten lohnt sich.

Durchhalten ist nicht der Kern oder die Krone kirchlicher Botschaften, aber mir kommt heutzutage die Rede über das Durchhalten doch etwas sehr zu kurz. Deswegen möchte ich Ihnen heute hier mit auf den Weg geben: Halten Sie durch! Geben Sie nicht zu früh klein bei, lassen Sie sich nicht von Ihrem Vorhaben durch anfängliche kleine Fehlschläge entmutigen. Statt mit dem Kopf in den Sand, lieber mit dem Kopf in den Wolken der Freiheit und der frischen Ideen: Es ist Sommer!

Abschließend noch eine Vertiefung zu dem Durchhalten von Jesus Christus selbst: Er war, bevor er festgenommen und gekreuzigt wurde, allein in einem Garten zum Gebet. Steht in Matthäus 26. Die baldige Festnahme war eine große Gefahr für Jesus. Er stand unter großem Druck, Todesangst, seine Bewegung steht vor der Niederlage, sollte er selber scheitern. Und Jesus betet zu Gott, will, dass er das Leid, was kommen wird, irgendwie nicht leiden muss etc. Aber der springende Punkt: Trotz der vielen Gefahren hält Jesus durch, betet weiter. Ein Durchhalten ohne Jünger, die sind nämlich weiter entfernt und schlafen lieber. Ein Durchhalten ohne sicheren Ausblick auf Sieg, aber ein Durchhalten. Und Jesus geht im Gebet einen wichtigen Schritt: Nicht, was er will, sondern was Gott will, das möge jetzt passieren.

Jesus ist erschöpft, ängstlich in Todesangst, verunsichert, aber er betet weiter. Er will kämpfen und das nicht für sich, sondern: Gott, wie du willst…

Aufgeben ist für Jesus überhaupt keine Option, aber er wird diesen Kampf um die Wahrheit, die Vergebung und letztendlich für das Leben überhaupt nicht als Held und nicht mit großer Armee im Rücken kämpfen, sondern ganz allein, nur er, Jesus, mit seinem Gebet: Gott, wie du willst soll es geschehen.

Was immer Sie sich, lieber Leserinnen und Leser, im Großen wie im Kleinen in Ihrem Leben heute vorgenommen haben zu tun oder auch zu lassen: Halten Sie durch!

Florian Herterich ist Pastor im Nordosten des Isenhagener Landes

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Florian Herterich
Pastor Florian Herterich
Kirchgasse 2
29378 Wittingen-Zasenbeck