Wenn ich auf unsere Terrasse trete, fällt mein Blick zuerst auf die Pflanzenkästen. Die Tomaten werden langsam rot. Die Gurken ranken sich immer weiter nach oben. Die Erdbeeren wachsen schnell nach. Natürlich wird gegossen und gepflegt. Aber dass etwas wächst und gedeiht, liegt am Ende genauso wenig in meiner Hand wie das Wetter. Aus welchen Samen eine Pflanze und aus welcher Blüte eine Frucht wird, kann ich nicht bewirken.
Gerade in diesem Sommer wird mir das besonders bewusst. Die Felder in unserer Region leiden unter der Trockenheit. Wiesen und Gärten sehnen sich nach Regen. Viele Menschen stöhnen über die Hitze. Gleichzeitig sind die Freibäder voll. Kinder genießen die Ferien und mancher freut sich über einen Sommerabend im Garten. Zwischen Klimasorgen und Badespaß erleben wir: Vieles im Leben können wir nicht machen oder erzwingen. Es wird uns geschenkt.
Daran erinnert auch der Wochenspruch zum Beginn der Sommerferien in Niedersachsen: „Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ (Epheser 2,8) Gottes Gaben sind mehr als das, was wir ernten oder mit den Händen greifen können. Das Leben selbst ist eine Gabe. Die Menschen an unserer Seite sind eine Gabe. Die Fähigkeiten, die jeder Mensch mitbringt, sind nicht einfach nur das Ergebnis eigener Leistung. Sie sind uns anvertraut. Sich das in Erinnerung zu rufen in einer Zeit, in der vielerorts Zeugnisse und Abschlüsse verteilt werden, finde ich wichtig.
Viele Kinder und Jugendliche halten ihre Noten in den Händen. Manche tun das zurecht mit Stolz. Andere haben vielleicht gemischte Gefühle. Doch kein Zeugnis kann alles erfassen, was einen Menschen ausmacht. Mut, Geduld, Kreativität oder die Fähigkeit zuzuhören fehlen dort. Auch handwerkliches Geschick oder besondere Interessen finden oft nur am Rand ihren Platz. Dabei sind gerade das wertvolle Gaben. Mehr noch: Jeder Mensch besitzt in Gottes Augen eine ganz eigene Begabung.
Darin liegt zugleich eine Erinnerung für uns alle: Gottes Gaben sind nicht dazu da, sie für sich zu behalten. Ein freundliches Wort über den Gartenzaun, Zeit für einen Nachbarn, Unterstützung im Verein oder Aufmerksamkeit für jemanden, der sich einsam fühlt, sind wertvolle Gaben. Die Sommerzeit lädt dazu ein, einmal durchzuatmen und neu wahrzunehmen, was uns geschenkt ist. Ich wünsche Ihnen offene Augen für die Gaben, die Gott Ihnen anvertraut hat, und Freude daran, sie mit anderen zu teilen. Wer sich auf die Suche nach den Spuren Gottes macht, entdeckt dann vielleicht, dass er selbst getragen wird. Davon wird beim Auftakt unserer Sommerkirche am Sonntag um 10 Uhr im Pfarrgarten Knesebeck die Rede sein. Seien Sie dazu herzlich eingeladen.
Patrick Haase ist Pastor im Osten des Isenhagener Landes
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