Sechs Wochen im Jahr arbeiten, das reicht. So befand der amerikanische Philosoph und Schriftsteller Henry David Thoreau und zog sich die übrige Zeit in die Wälder zurück. Er lebte sparsam und einfach in einem Blockhaus. Dort ging er nicht auf die Jagd oder stellte Fallen, sondern nutzte die Zeit zum Lesen, Schreiben, Nachdenken und zur Naturerkundung.
Die hohe Gesellschaft im Umfeld seiner Heimatuniversität Harvard mied er. Dafür ließ er sich von der Weisheit der Indianer inspirieren und von den Reiseberichten Alexander von Humboldts. Thoreaus Schrift ‚Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat‘ wurde zur Bibel vieler gewaltfreier Widerstandkämpfer. Mahatma Gandhi und Martin Luther King nahmen sie als Vorbild. Darin kämpft er gegen die Sklaverei und den immer blutiger werdenden Krieg gegen Mexiko, den die USA 1846 bis 1848 führten.
Thoreau wurde am 12. Juli 1817 geboren. Deswegen ist heute in Amerika der ‚National Simplicity Day‘, der Tag der Einfachheit. Ein Ehren- und Gedenktag, der an Thoreaus Einladung zum einfachen Leben erinnert: „Wozu diese verzweifelte Jagd nach Erfolg?“ schreibt er. „Wenn einer nicht (Gleich)Schritt mit seinen Kameraden hält, dann vielleicht deshalb, weil er einen anderen Trommler hört.“
Es gilt nicht nur die von aussen gegebene Schlagzahl, das Tempo, die Effizienz und Präzision, die meine Umwelt von mir erwartet. Wir hören auch den ‚anderen Trommler‘ in uns, der sich mit geringerer Schlagzahl meldet: das Herz, das seinen Ruhepuls sucht, oder der Wunsch nach Begegnung, die ihre eigene Zeit braucht.
Um aufmerksamer zu werden, empfiehlt Thoreau die Naturbetrachtung. Sie verringert den immer schnelleren Takt technischer Problembewältigung. Thoreau zitiert dabei gerne Jesus, der sagt: „Seht die Vögel unter dem Himmel, sie sähen nicht, sie ernten nicht, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ Eine schöne Einladung zur Einfachheit – auch wenn wir mit sechs Wochen im Jahr sicher nicht zurande kommen.
Dr. Heinrich Springhorn ist Pastor in Hankensbüttel und Sprakensehl
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