Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Psalm 103,2
Der Satz aus Psalm 103 klingt wie eine freundliche Erinnerung: Vergiss nicht, was dir Gutes widerfahren ist. Im Allgemeinen bleibt unser Blick schnell an dem hängen, was nicht gelungen ist. An dem Gespräch, das schiefgegangen ist. An der Sorge, die uns seit Tagen begleitet. An einer Nachricht, die uns den Schlaf raubt. Das Schwere drängt sich in den Vordergrund – und das Gute gerät leicht aus dem Blick.
Der Psalmvers lädt zu einem Perspektivwechsel ein.
„Vergiss nicht“ – das heißt: Schau noch einmal genau hin. Auf das, was dich getragen hat. Auf einen Menschen, der zur richtigen Zeit angerufen hat. Auf ein Zuhause, in dem du dich sicher fühlst. Auf Kraft, die dir geschenkt wurde, obwohl du dachtest, du hättest keine mehr. Auf Vergebung, die einen neuen Anfang möglich gemacht hat.
Bemerkenswert ist, dass der Psalm nicht sagt: Vergiss die Sorgen. Er sagt auch nicht: Denk einfach positiv. Die Sorgen und das Schwere werden ihren Platz behalten. Aber sie sollen uns den Blick auf das Ganze nicht verstellen: „Lobe den HERRN, meine Seele“ – das Leben ist mehr als das, was gerade misslingt. Und hinter allem Guten, das uns begegnet, steht ein Geber: Gott.
Dankbarkeit kann die Art und Weise verändern, wie wir auf unser Leben schauen: Es gibt mehr Grund zum Loben, als unsere Sorgen uns manchmal glauben lassen.
Ein alter Spruch sagt: „Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens“. Das ist ein wenig wie in der Geschichte von dem Arzt, der seine Patienten im Altenheim besucht. Ihm fällt ein 96jähriger Mann auf, der stets zufrieden und freundlich ist. Eines Tages spricht er ihn darauf an und fragt nach dem Geheimnis seiner Freude. Lachend antwortet der Mann: „Herr Doktor, ich nehme jeden Tag zwei Pillen ein, die helfen mir!” Verwundert schaut ihn der Arzt an und fragt: „Zwei Pillen nehmen Sie täglich? Die habe ich Ihnen aber nicht verschrieben!” Verschmitzt lacht der Mann und antwortet: „Das können Sie auch gar nicht, Herr Doktor. Am Morgen nehme ich gleich nach dem Aufstehen die Pille Zufriedenheit. Und am Abend, bevor ich einschlafe, nehme ich die Pille Dankbarkeit. Diese beiden Arzneien haben ihre Wirkung noch nie verfehlt.”
„Das will ich Ihnen gerne glauben”: meint der Arzt. „Ihr gutes Rezept werde ich weiterempfehlen.”
Helmut Kramer, Pastor im Ruhestand, er war bis August diesen Jahres Pastor in Ehra und Tülau
Alle AnsprechpartnerInnen in unseren Gemeinden finden Sie hier.