Wo ist das Reich Gottes?

07. November 2026

Ein Komiker hält eine Rede. Und plötzlich bleibt einem das Lachen im Hals stecken.

Es ist die Schlussszene aus Charlie Chaplins Film „Der große Diktator“ von 1940. Der Film nimmt Hitler und den Nationalsozialismus aufs Korn. Vieles ist überzeichnet, grotesk und komisch. Doch am Ende wird es ernst.

Ein kleiner jüdischer Friseur wird versehentlich für den Diktator gehalten und steht plötzlich vor einer riesigen Menschenmenge. Er soll eine Rede halten. Doch statt großer Worte über Macht und Herrschaft spricht er über Menschlichkeit. Über eine Welt, in der Menschen einander helfen, statt sich zu bekämpfen. In der Güte und Mitgefühl wichtiger sind als Habgier und Hass. In der genug für alle da ist.

Und mitten in dieser Rede zitiert Chaplin das Lukasevangelium: "Sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch." Mitten unter euch. Nicht irgendwann. Nicht erst, wenn alles perfekt ist. Nicht erst, wenn die Welt endlich zur Vernunft gekommen ist.

Das Reich Gottes blitzt schon jetzt auf. In kleinen und großen Momenten. Wo Menschen teilen. Wo einer dem anderen die Hand reicht. Wo jemand über seinen Schatten springt und Frieden schließt. Wo Menschen nicht wegsehen, sondern füreinander da sind.

Natürlich sieht unsere Welt oft ganz anders aus. In den Nachrichten dominieren Krieg, Streit und Machtspiele. Hass und Ausgrenzung sind laut. Manchmal könnte man meinen, für Menschlichkeit und Mitgefühl sei kaum noch Platz.

Aber das stimmt nicht. Da sind auch die vielen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Die Nachbarn unterstützen, Geflüchteten helfen, Einsame besuchen oder einfach für jemanden Zeit haben. Da wird geteilt, getröstet und zusammengehalten: Das Reich Gottes ist mitten unter uns. Es zeigt sich dort, wo etwas von Gottes Liebe in unserem Zusammenleben sichtbar wird.

Dafür muss niemand die Welt retten. Es reicht, im eigenen Umfeld anzufangen. Ein offenes Ohr. Eine Einladung. Ein bisschen mehr Geduld. Eine ausgestreckte Hand statt eines ausgestreckten Zeigefingers.

Charlie Chaplin hat 1940 eine große Rede gehalten. Eine Rede gegen Hass, Unterdrückung und Menschenverachtung. Seine Worte sind heute noch aktuell. Vielleicht sogar aktueller, als uns lieb ist.

Und Jesus erinnert uns daran, dass wir nicht nur auf eine bessere Welt warten müssen. Wir können selbst etwas dazu beitragen. Nicht aus eigener Vollkommenheit, sondern aus dem Vertrauen darauf, dass Gott uns und diese Welt nicht aufgegeben hat.

Das Reich Gottes ist mitten unter uns. Hier und da blitzt es auf. Halten Sie in den nächsten Tagen doch mal Ausschau – vielleicht entdecken Sie etwas von Gottes Reich. Denn „sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ (Lk 17,21)

Esther Staak ist Pastorin in Brome und Tülau

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Pastorin Esther Staak
Hauptstraße 12
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Tel.: 05833 970117